Aktuelle Vermögensverteilung in Deutschland laut DIW

Wie ist das Vermögen in Deutschland verteilt? Neue Zahlen liefert eine aktuelle Studie des Deutschen Vermögensverteilung in DeutschlandInstituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die Anfang 2014 veröffentlicht wurde und in den Medien großes Echo fand. Warum? Weil die Zahlen zeigen, dass Deutschland ein zutiefst gespaltenes Land ist, wenn es um Vermögensverteilung geht. Denn, so die Studie: In keinem Land der Eurozone sind die Unterschiede zwischen Arm und Reich so groß wie in Deutschland. Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland übrigens im Mittelfeld.

Fakten und Zahlen zur Studie der DIW

Die Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) beruht auf Daten des sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Dabei handelt es sich um eine repräsentative, seit 1984 jährlich wiederholte Befragung von mehr als 12.000 zufällig ausgewählten deutschen Privathaushalten. Dabei werden stets dieselben Haushalte befragt. Die aktuelle DIW-Studie bezieht sich auf den Untersuchungszeitraum 2012. Die Vermögensverteilung in Deutschland darf übrigens nicht verwechselt werden mit der Einkommensverteilung.

Die aktuelle Vermögensverteilung in Deutschland stellt sich wie folgt dar:

  • Der deutsche Mensch besaß 2012 im Schnitt 83.000 Euro.
  • Das mittlere Vermögen (Median-Vermögen: die reichere Hälfte wird von der ärmeren getrennt) lag im Vergleich bei knapp 17.000 Euro.
  • 20 % hatten überhaupt kein Vermögen bzw. mehr Schulden als Vermögen.
  • Das reichste Zehntel besaß ein Vermögen von mindestens 217.000 Euro, das vermögendste Prozent ca. 800.000 Euro.

Besonders am Vermögen von Arbeitslosen zeigte sich, wie sich die Vermögensverteilung in Deutschland in den vergangenen Jahren entwickelt hat: 2012 besaß ein arbeitsloser Mensch im Schnitt 18.000 Euro, 10 Jahre zuvor waren es noch 30.000 Euro.

Dargestellt wird die Vermögensverteilung – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit – durch den so genannten Gini-Koeffizient. Er misst Ungleichverteilungen und macht sie international vergleichbar, die Werte liegen zwischen 0 und 1. Die Ziffer 1 bedeutet dabei maximale Ungleichverteilung. Der Gini-Koeffizient der Vermögensverteilung in Deutschland lag 2012 bei 0,78 – es herrscht also ziemliche Ungleichverteilung.

Die Vermögensverteilung in Deutschland zieht an vielen Stellen große Gräben. So besitzen Westdeutsche fast doppelt so viel wie Ostdeutsche, Männer ein Drittel mehr als Frauen und Kinderlose mehr als Paare mit Kindern. Alleinstehende Männer im Alter von 60 Jahren verfügen über das höchste Pro-Kopf-Vermögen: durchschnittlich 150.000 Euro. Sehr niedrig hingegen die Zahl bei Alleinerziehenden mit zwei Kindern: der Schnitt liegt bei 21.000 Euro.

Vermögens-Mittelwert nach Haushalten (Beispiele):

1-Personen-Haushalt unter 60 Jahren, männlich 81.349 Euro
1-Personen-Haushalt ab 60 Jahren, männlich 150.047 Euro
1-Personen-Haushalt unter 60 Jahren, weiblich 49.030 Euro
1-Personen-Haushalt ab 60 Jahren, weiblich 105.362 Euro
Paar ohne Kinder 108.028 Euro
Paar mit 1 Kind 62.579 Euro
Alleinerziehende(r) mit 1 Kind 35.038 Euro
Insgesamt 85.663 Euro

-> Zusammen genommen liegt das Vermögen der Deutschen bei ca. 6,3 Billionen Euro. Die Besitztümer setzen sich unter anderem zusammen aus Geld, Versicherungen, Betriebs- und Sachvermögen, Bausparverträgen oder Immobilien.

Die Entwicklung der Vermögensverteilung in Deutschland

Vermögensverteilung DeutschlandIn der DIW-Studie werden die aktuellen Zahlen mit denen von 2002 und 2007 verglichen. Fazit: an der Vermögensverteilung in Deutschland hat sich in diesem Zeitraum wenig geändert. Der Gini-Koeffizient stieg leicht von 0,777 im Jahr 2002 auf 0,799 im Jahr 2007. Man kann auch sagen: Die Ungleichheit hat sich stabilisiert.

In einigen Teilbereichen gibt es Veränderungen, jedoch keine positiven. So konnte ein deutlicher Anstieg der Pro-Kopf-Verschuldung festgestellt werden. Die Anzahl der Erwachsenen, deren Schulden höher als das Vermögen sind, stieg in besagtem Zeitraum von 27,5 % auf rund 32 %. Hinsichtlich der Altersarmut sorgt die ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland für keine guten Aussichten. Vor allem in Ostdeutschland können viele Menschen der drohenden Armut nichts entgegensetzen.

Blickt man noch ein wenig weiter zurück, zeigt sich, dass sich die Vermögensverteilung in Deutschland seit den 1950er Jahren eigentlich recht gut entwickelte, sprich: gleicher wurde. Nach der Jahrtausendwende dann der Schnitt: Die Vermögensverteilung in Deutschland wurde immer ungleicher. Als Gründe werden die Zunahme privater Versicherungen und des Geldvermögens genannt. Allerdings: in den Jahren vor 2002 wurde die Vermögensverteilung in Deutschland nur unzureichend untersucht, die Zahlen schwanken je nach Quelle und sind nicht definitiv. Seit 2002 führt das SOEP zusätzlich folgende Teilstichprobe durch: „Einkommensstarke Haushalte“. Dadurch steigerte sich die Qualität der Erhebungen und Analysen zur Vermögensverteilung in Deutschland sehr stark.

Was sind die Gründe für die große Vermögensschere?

Das Sinken des Vermögens von Arbeitslosen kann vor allem auf die Hartz-Reformen zurückgeführt werden. Denn durch diese müssen Betroffene zwangsläufig an ihr Erspartes ran. Zu dem Zeitpunkt, an dem sie Arbeitslosengeld II bekommen, sind große Teile des Vermögens bereits aufgebraucht. Fast zwei Drittel aller Arbeitslosen besitzen keinerlei Vermögen oder haben sogar Schulden. Eine Rolle spielt aber auch die verbesserte Beschäftigungslage. Vor allem vergleichsweise gut gestellte Arbeitslose konnten eine Stelle finden, während die soziale Not unter Langzeitarbeitslosen besonders groß ist.

In Ostdeutschland gibt es verhältnismäßig wenige Erbschaften. Da diese jedoch eine große Rolle bei der Vermögensverteilung in Deutschland spielen, haben Männer und Frauen in den neuen Bundesländern viel weniger Besitztümer. Und in den nächsten Generationen wird das auch nicht anders aussehen.

Übrigens: Dass die Vermögensverteilung in Deutschland im europäischen Vergleich am höchsten ist, bedeutet natürlich nicht, dass es Deutschland schlecht geht. Was allerdings die Ungleichheit noch drastischer macht.

Wie kann die Vermögensverteilung in Deutschland gerechter werden?

Im Prinzip sind alle Parteien des Bundestags für eine gerechte Vermögensverteilung. Wie diese sich allerdings definiert, darüber herrscht alles andere als Konsens. Ebenso wenig darüber, mit welchen Maßnahmen sie erreicht werden soll und kann. Die DIW-Studie liefert interessante Erkenntnisse über die aktuelle Vermögensverteilung in Deutschland. Aber was geschieht nun damit?

Die Vermögensverteilung in Deutschland ist mehr als ungerecht. Unter anderem rufen der Paritätische Gesamtverband und der Deutsche Gewerkschaftsbund zum Handeln auf. Im internationalen Vergleich sind die Steuersätze für Vermögende in Deutschland gering, und die Freibeträge umfangreich. Hohe Steuern auf Spitzeneinkommen und Vermögen sowie eine Vermögensabgabe für Millionäre sind deshalb mehr als sinnvoll. Eine Reform der Erbschafts- und Schenkungssteuer würde ebenfalls Ausgleich schaffen. Durch diese Abgaben könnten soziale Reformen finanziert, sowie aus der Finanzkrise bzw. der Staatsverschuldung resultierende Lasten erleichtert werden.

Außerdem: keine prekären Beschäftigungsformen mehr. Neben gesetzlichem Mindestlohn müssen Werkverträge und Zeitarbeit strenger reguliert werden. Außerdem muss sich was tun hinsichtlich der progressiven Einkommenssteuer. Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mit mittlerem Einkommen kennen das: Es ist unerfreulich, wenn mit der Lohnerhöhung auch der Steuersatz steigt. Sehr hohe Einkommen sind davon nicht mehr betroffen, denn der Spitzensteuersatz ist erreicht. Das würde natürlich die ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland nicht ausgleichen, aber es wären immerhin Schritte in die richtige Richtung.

Bildquellen: pixabay.com – © by geralt & PublicDomainPictures

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