BAföG und Meister-BAföG – Bildung auf Raten

Das Kürzel BAföG steht eigentlich für das Bundesausbildungsförderungsgesetz und nicht etwa für die eigentliche Förderung, wird aber meist dahingehend verwendet, was inzwischen auch der Duden eingesehen hat. Es wurde 1971 von Willy Brandt in der Bundesrepublik als Vollzuschuss eingeführt, der also nicht zurückgezahlt werden musste. Diese Förderung war für bedürftige Studenten vorgesehen und konnte bei Nichtbewilligung sogar eingeklagt werden. Die Höhe der Förderung wurde vom Deutschen Studentenwerk festgelegt und sollte regelmäßig überarbeitet werden. Unglücklicherweise blieb der Betrag oft hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück – wir erkennen also bereits das BAföG, wie es uns vertraut ist.

Aus dem Geschenk wird eine LeihgabeMeister_bafoeg

1982 erreichte der Füllstand deutscher Universitäten eine nie gesehene Höhe, was Helmut Kohl zum Anlass nahm, das BAföG in ein unverzinstes Darlehen umzuwandeln. Nach einer Reform im Jahre 2001 wurde beschlossen, dass nach Abschluss der Ausbildung maximal 10.000 Euro zurückgezahlt werden müssen, unabhängig davon, welche Höhe die BAföG-Zahlungen akkumuliert haben.

Wie berechnet sich das BAföG?

Damit kommen wir in der Gegenwart an. Dieser Tage besteht das BAföG aus zwei Teilen: Einem allgemeinen Bedarfssatz sowie einem Unterkunftsanteil, der sich danach richtet, ob der Antragssteller bei seinen Eltern oder alleine wohnt. Ab dem 25. Lebensjahr kommen außerdem Zuschläge für die Pflege- und Krankenversicherung hinzu. Wer ein Kind zu versorgen hat, darf sich ebenfalls über ein wenig Extrageld freuen – bei 113 Euro mit Betonung auf das Wort „wenig“. 2010 wurden 670 Euro als Gesamtbedarf eines nicht bei den Eltern wohnenden Studenten festgelegt, der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge entrichten sowie einen Mietkostenzuschlag zahlen muss.

Nach dem BAföG kommt das Meister-BAföG

Im Gegensatz zur regulären Förderung ist das sogenannte Meister-BAföG jedoch nicht für die Erstausbildung, sondern die Weiterbildung und Existenzgründung gedacht. Im Gegensatz zu seinem bekannteren kleinen Bruder ist es elternunabhängig und richtet sich vor allem an Menschen, die bereits eine Ausbildung genossen haben und ihre Kenntnisse vertiefen möchten, worauf auch der korrekte Titel hindeutet: Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz, kurz AFBG. Ziel dieses 1996 in Kraft getretenen Gesetzes ist, Fachkräftemangel auszugleichen.

Finanzierungsprogramm für die Fortbildung

Der Name „Meister-BAföG“ leitet sich von Aufstiegsfortbildungen wie Meisterkursen oder Master-Studiengängen ab, kann aber andere, zum Beispiel außerschulische oder mediengestützte Fortbildungen umfassen. In Anbetracht der Tatsache, dass junge Menschen mit bloßer Grundausbildung auf dem Arbeitsmarkt immer schwerer zurechtkommen, ist es beruhigend zu wissen, dass man zur Not auf Meister-BAföG zurückgreifen kann. 2009 wurden in Deutschland über 157.000 Menschen mit mehr als 455 Millionen Euro gefördert – wovon sie allerdings rund 315 Millionen wieder zurückzahlen müssen, denn auch das Meister-BAföG ist ein Darlehen.

Grundlegendes über das Meister-BAföG

Wer Meister-BAföG beantragen möchte, dessen angestrebte Fortbildung sollte einige Kriterien erfüllen: Sie muss mindestens 400 Unterrichtseinheiten betragen, nicht länger als 36 Monate (in Teilzeit: 48 Monate) dauern und eine Fortbildungsdichte von mindestens 25 Unterrichtsstunden pro Woche erreichen. Und natürlich muss sie ebenso wie die vorangegangene Ausbildung vom Staat als Erwerb eines geregelten Abschlusses anerkannt sein. Das Meister-BAföG umfasst alle Gebühren für Lehrgänge und Prüfungen sowie die Kosten für den eventuellen Bau eines Meisterstücks. Hinzu kommt bei einer Vollzeitausbildung die Übernahme des Lebensunterhaltes, und Auszubildende mit Kindern bekommen einen entsprechenden Zuschlag. Da Meister-BAföG ebenso wie die Schüler-Förderung nicht rückwirkend gewährt wird, ist auch hier darauf zu achten, alle Anträge rechtzeitig zu stellen. Man sollte das größte und röteste Kreuz im Kalender setzen, zu dem man fähig ist.

Jede Menge Verbesserungspotenzial

BAföG und Meister-BAföG sind sicherlich gute Einrichtungen: Allzu viele Staaten scheinen kein Problem damit zu haben, dass Studenten und Lehrlinge nebenher kellnern, am Fließband stehen, Pizza ausfahren oder sich auf andere Weise die fürs Lernen, Schlafen und Leben vorgesehene Zeit um die Ohren schlagen. Trotzdem ist die staatliche Förderung keineswegs perfekt: Wer nach der Ausbildung einen Job findet, plagt sich vermutlich noch jahrelang mit den angehäuften BAföG-Schulden. Darüber hinaus kann man auch über die Höhe des gewährten Betrags diskutieren, denn wie so viele Formen der staatlichen Unterstützung scheint auch diese bemüht, immer ein Stück unterhalb des tatsächlichen Mindestbedarfs zu lavieren.

Wer nähere Informationen zum Thema BAföG sucht, ist auf dieser Seite gut aufgehoben: http://www.bafoeg.bmbf.de/. Näheres zum Thema Meister-BAföG findet man unter http://www.meister-bafoeg.info/.

Bildquelle: pixabay.com – © by nikolayhg

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