Bausparkassen im Finanztest: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

In ihrer Ausgabe vom Juni 2012 untersuchte die Zeitschrift „Finanztest“ die Beratungsleistung von Bausparkassen. Und das Ergebnis ist leider alles andere als rühmlich. Im Test schnitten nur vier von insgesamt 22 Instituten „gut“ ab. Dazu gehören die Landesbau­spar­kassen (LBS) Baden-Württemberg, Bremen und Nord sowie Wüstenrot. Knapp jede vierte der 154 Testberatungen fiel demgegenüber „mangelhaft“ aus.

Üppige Darlehen, zu hohe Raten, falsche Tarife

Getestet wurde mit einem einfachen Musterfall: Ein Kunden möchte seine Immobilie in vier Jahren umfassend modernisieren und rechnet hierfür mit Kosten in Höhe von 50.000 Euro. 10.000 Euro hat er bereits angespart, seine monatliche Sparsumme beläuft sich auf 400 Euro.

Viele Bausparkassen berieten völlig am Kunden vorbei: Mal wurde die monatliche Spareinlage mit bis zu 750 Euro viel zu hoch angesetzt, mal der Sparzeitraum einfach auf zehn Jahre hochgeschraubt. Wollte der Kunde unter diesen Bedingungen an seinem Plan festhalten, hätte er durch die längere Sparzeit einen kostenintensiven Zwischenkredit aufnehmen müssen, was die gesamte Finanzierung erheblich verteuert hätte.

In anderen Fällen war das Angebot der Bausparkassen-Berater – verglichen mit einer Finanzierung ohne Bausparvertrag – schlichtweg zu teuer. Finanztest legte für die Gegenüberstellung einen Bank-Zinssatz von 1,75 Prozent und einen Darlehenszins von 5,5 Prozent zugrunde. Verwendet werden sollte das Geld auch hier in vier Jahren.

Obwohl der angenommene Darlehenszins weit über dem aktuellen Kurs liegt, war jedes fünfte Angebot der Bausparkassen im Schnitt mindestens 500 Euro teurer als ohne Bausparvertrag. Selbst bei einem Zinsniveau von zehn Prozent wären vier Bauspar-Angebote noch immer teurer gewesen!

Besonders mangelhaft schnitten die Deutsche Bank, Huk-Coburg, LBS Ost und LBS Rheinland-Pfalz ab.

Mit der richtigen Strategie und guter Vorbreitung zum passenden Angebot

Um nicht auf schlechte Bausparverträge hereinzufallen, raten Experten Verbrauchern, sich gut auf die Beratungsgespräche vorzubereiten. Legen Sie Ihre persönlichen Eckpunkte im Vorfeld genau fest: Wie viel können Sie monatlich als Sparsumme aufbringen, ohne dass es Ihre Haushaltskasse belastet? Wann benötigen Sie Ihr Darlehen und welche Summe werden Sie in etwa brauchen? Und auch, wenn die Zinsen bei Bausparverträgen sicher sind: Prüfen Sie, wie hoch die Belastungen sein werden, und bedenken Sie, dass Bauspardarlehen schneller zurückgezahlt werden müssen als Bankkredite.

Das Angebot muss zu Ihren Zielen und finanziellen Möglichkeiten passen

Beschreiben Sie Ihrem Bauspar-Berater genau, was Sie von Ihrem Bausparvertrag erwarten und was Sie leisten können. Nur so kann dieser sein Angebot genau auf Sie zuschneiden. Holen Sie sich aber mindestens Angebote von drei unterschiedlichen Bausparkassen ein. Denn schon bei den Guthabenzinsen gibt es erhebliche Unterschiede. Und denken Sie daran: Alles, was im Angebot steht, muss auch im Vertrag enthalten sein. Lassen Sie sich einen Anspar- und Tilgungsplan mit empfohlener Sparrate und Höhe des Guthabenzinses sowie dem voraussichtlichen Zeitpunkt der Zuteilung erstellen. Dieses Angebot können Sie dann mit einem Bausparrechner im Internet vergleichen oder aber von einer Verbraucherzentrale überprüfen lassen, falls Sie sich nicht sicher sind.

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