Bitcoin am Ende? Der Mt. Gox- Finanzkrimi und seine Folgen

Die Online-Börse Mt. Gox ist insolvent. Das meldeten vergangene Woche die Nachrichtenagenturen und zahlreiche Medien berichteten über den Niedergang einer Handelsplattform, die eigentlich für eine Beständigkeit und vor allem für die Idee der Unabhängigkeit der virtuellen Zahlungsmittel stand.

Der Niedergang von Mt. Gox – ein zeitlicher Abriss

Am 25. Februar begannen die Pleitegerüchte rund um Mt. Gox – laut Wikipedia einer der weltweit größten Handelsplätze für die virtuelle Währung Bitcoins – als die Wirtschaftswoche darüber berichtete, dass die Webseite www.mtgox.com nicht mehr aufrufbar sei. Eine absolute Schreckensnachricht für alle, die dort mit der Kryptowährung gehandelt haben, denn was mit den Konten nun passiert und warum die Seite offline war, wusste zu diesem Zeitpunkt noch Niemand! Exkurs:

Was ist eigentlich Mt. Gox?

Auf der Webseite von Mt.Gox können Mitglieder zentral ihr Bitcoin-Guthaben verwalten. Dazu führen sie auf der Plattform zwei getrennte Konten: Eins für die Coins und eins für das reale Geld. Je nachdem welches Konto man auffüllen möchte, bedient man sich eines Banktransfers oder eines Transfers über eine sogenannte Bitcoin-Adresse. Über eine Mt. Gox- Weboberfläche können die Nutzer Verkaufs- und Kaufs- Angebote erstellen. Die Plattform ermittelt anschließend die dazu passenden Gesuche, einen Marktpreis, und führt die Transaktionen automatisch durch. Dafür behält sich Mt.Gox natürlich eine Gebühr ein.

Was ist überhaupt ein Bitcoin?

Wer sich nun fragt, was denn nun genau ein Bitcoin ist, kann sich in folgendem ausführlichen Artikel informieren, den wir bereits zu Beginn des Jahres veröffentlicht haben: http://www.einfachfinanzen.de/konnen-sich-bitcoins-durchsetzen/ Oder sich dieses Video anschauen. Das ARD Magazin PULS berichtet dort allgemein über diese außergewöhnliche Währung und beleuchtet deren Entstehungsgeschichte und Handhabung mal genauer:

Mt. Gox wohl schon seit Wochen zahlungsunfähig!

Das Problem scheint wohl nicht von heute auf morgen entstanden zu sein, denn Mt. Gox soll wohl bereits seit einigen Wochen Probleme gehabt haben. Offenbar kämpfte das japanische Unternehmen mit Sicherheitslücken und die Softwareprobleme mehrten sich. Bereits vor zwei Wochen zeigten sich also erste Schwächeerscheinungen: die Kunden starrten schon ab diesem Zeitpunkt fassungslos ins Leere! Und wer den die Transaktions-Verzögerungen in der Zeit davor nicht als warnendes Zeichen am Horizont gelesen hat, kam leider mit der Idee, sein Guthaben sofort auf andere Handelsplätze zu transferieren zu spät –  Abhebungen waren nicht mehr möglich.

Die Mutmaßungen überschlugen sich – was war nur geschehen?

Viele vermuteten zunächst einen unglaublich dreisten Zug des Unternehmens. Da der Firmensitz in Tokio „spontan“ umzog und in den ersten Tagen keinerlei offizielles Statement bekanntgegeben wurde, unterstellten einige, Mt.Gox hätten sich mit all den Bitcoins von dannen gemacht.

Coindesk hingegen präsentierte ein angeblich authentisches Dokument, das schlimmes ahnen ließ: einen Krisenplan aus dem hervorging, dass Bitcoins im Gegenwert von 350 Millionen Dollar bei Mt.Gox verschwunden sein sollen. Eine Hackerattacke, die zunächst unbemerkt blieb soll diese klaffende Lücke hinterlassen haben. Kaum vorstellbar, wie solche Mengen unbemerkt entwendet werden konnten. Kaum vorstellbar auch, was passieren sollte, wenn sich herausstellt, dass dieses Dokument keine Fälschung ist! Das wäre sicher nicht nur das Aus für Mt.Gox, sondern sehr wahrscheinlich auch für die Bitcoins an sich – schließlich gibt es bei dieser „unabhängigen“ Währung keine Sicherheitseinlagen etc. Die Wirtschafts Woche spricht bereits von einem „Sargnagel für den Bitcoin“. Die Wettbewerber von Mt.Gox dementieren solche Meldungen natürlich – aber das würden sie wohl in jedem Fall tun, um das Ende nicht noch vorzuziehen.

Nochmal schön zusammengefasst finden Sie die wichtigsten Fakten in folgendem Video: http://www.zeit.de/video/2014-02/3258793151001.

Exkurs: Die mächtigsten Internet-Währungen im Überblick:

  • Spielwährung „Gold“ bei WoW
  • Die interne Währung „Ven“ des sozialen Netzwerks HubCulture
  • „PE-Dollar“ die Währung im Multiplayer-Rollenspiel Entropia Universe
  • Netzwährung des Internetportals Tencent – „QQ-Münzen“
  • Silber-, Gold- & Platinum-Münzen aus dem Multi-Player-Rollenspiel RIFT
  • Bitcoin die Parallelwährung aus Bits und Bytes
  • Facebook Credits – Währung des weltbekannten sozialen Netzwerks

Nur wenige Tage später: Die Behörden rücken an

Spätestens nach der „Krisenplan“-Meldung wachten dann auch die Behörden auf und wurden misstrauisch. Japanischen Regierungssprechern zufolge untersuchten die zuständige Finanzaufsicht, die Polizei und das Finanzministerium den Fall. Auch die USA fielen mit ein. Das Wallstreet Journal berichtete letzte Woche über eine Vorladung, die Bundesstaatsanwälte an die Bitcoin-Handelsbörse gesendet haben soll.

Und plötzlich meldet sich auch endlich Unternehmenschef Mark Karpeles zur Wort: Auf der Webseite schrieb er, es würde an einer Lösung des Problems gearbeitet. Das klang wohl in den Ohren der User, die ein Vermögen verloren hatten, wie die säuselnde Stimme einer Dauerschleifenansage im Kundendienst der Telekom.

Das Ende vom Lied?

Und nun vor wenigen Tagen eine neue Wendung: Mt.Gox stellt einen Insolvenzantrag. Das Unternehmen hat der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo zufolge am Freitag auf einer Pressekonferenz in Tokio verkündet, aufgrund von 6,5 Milliarden Yen (ca. 46mio €) Schulden einen Insolvenzantrag gestellt zu haben. Der bereits erwähnte und zunächst nur als Spekulation daherwabernde Angriff auf die Firma wurde zudem bestätigt.

Doch eins ist klar: das ist noch lange nicht das Ende vom Lied! Gegen Mt. Gox wird ermittelt. Die Anleger bekommen wohl keinen Cent mehr zurück. Das Image des Bitcoins ist grundlegend angeschlagen. Und jetzt geht es erst richtig los! Gestern meldete das Handelsblatt den nächsten Rückschlag für die digitale Währung. Ein kanadischer Konkurrent Flexcoin hat nun auch seine Pforten geschlossen. Ebenfalls aufgrund einer Hackerattacke.

Geht die von den gierigen Banken unabhängige, angeblich moralische Hackerwährung nun am Ende doch aufgrund der latent mangelnden Moral in der Hackerszene zu Grunde?

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