Das Geld ist im Kleiderschrank besser aufgehoben

So oder so ähnlich mag der Bundesbürger argumentieren, wenn er einen Ausweg aus dem Dilemma um Inflation, Reallohnsenkung und Konsum sucht. Denn trotz aller Hiobsbotschaften und diversen Damoklesschwertern, die über verschiedenen europäischen Staaten schweben, war die Kauflust der Deutschen in den vergangenen Monaten ungebrochen. Doch womit hängt dieser beherzte Griff in den Geldbeutel eigentlich genau zusammen?

„Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“ – diese Weisheit hat mir meine Großmutter bereits vor 20 Jahren stets gepredigt. Sollte ein solcher Leitsatz nicht gerade in krisengeschüttelten Zeiten der Unsicherheit an besonderer Bedeutung gewinnen? Stattdessen geben die Arbeitnehmer ihre Gehälter munter im Einzelhandel aus und investieren in allerhand Konsumgüter, als boome die Wirtschaft wie einst unter Ludwig Erhard. Doch die Realität sieht ja bekanntlich anders aus: Die Kaufkraft sinkt, Bankzinsen gleichen die Inflationsraten nicht mehr aus und manches Unternehmen ähnelt inzwischen einem Koloss auf tönernen Füßen. Wäre es da nicht angebracht, umso mehr zur Seite zu legen, damit im Fall der Fälle wenigstens ein bisschen Erspartes überbleibt?

Das scheinen die Deutschen anders zu sehen. Denn sie wissen, dass es in naher Zukunft womöglich spannender sein kann, Filme auf dem neuen Fernseher zu schauen – statt dabei zuzusehen, wie die Spareinlagen auf dem Festgeldkonto zusammenschmelzen. Außerdem war Heiterkeit schon immer das beste Mittel gegen schwere Zeiten. Und Shopping macht Laune, um es salopp auszudrücken. Oder herrscht bereits eine Art Endzeitstimmung und es wird noch einmal eine gewisse – man verzeihe die Wortwahl – spätrömische Dekadenz gelebt, bevor es dann schließlich mit Europa dem Ende entgegen geht? So verkehrt ist diese Sichtweise ja gar nicht. Denn entweder rast der Kontinent wirtschaftlich tatsächlich weiter Richtung Abgrund, was sämtliche Sparmaßnahmen ohnehin überflüssig machen würde. Oder es brechen wieder bessere Zeiten an, in denen sich das Sparen wieder lohnt. Deswegen möchte ich an alle Deutschen appellieren: Konsumiert, solange Ihr nichts habt!

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1 Kommentare.

  1. Wenn es wirklich zu einem so dramatischen Szenario kommen sollte, ist die eiserne Reserve wahrscheinlich auch nichts mehr Wert. Dann ist eher Kreativität gefragt!

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