Das Kindergeld: alles andere als ein Kinderspiel

Das Kindergeld ist eine staatliche Leistung mit dunkler Vergangenheit. Es wurde erstmals im Jahre 1935 eingeführt und war ausschließlich „arischen“ Familien vorbehalten. In den Jahren nach dem Krieg wurde es an Familien mit mehr als einem Kind ausgezahlt und glich sich dann allmählich der heutigen Situation an: 1954 bekam eine Familie ab dem dritten Kind von der Berufsgenossenschaft monatlich 25 DM Kindergeld, und ab 1961 zahlte die Bundesanstalt für Arbeit schon für das zweite Kind. Seit 1975 bekommen Eltern Kindergeld unabhängig von der Gesamtzahl.

Vater Staat hilft mit Kindergeld

Kindergeld beantragenDoch warum die ganze „kindische“ Finanzierung? Nun, ein Kind großzuziehen, kostet eine Menge Geld. Von der Ernährung mal abgesehen, muss der Sprössling gekleidet und gebildet werden, das Kinderzimmer benötigt eine Einrichtung, Spielzeug ist ebenfalls nicht zu verachten, Arztrechnungen wollen bezahlt werden, das neue Schuljahr winkt mit einer Liste zusätzlicher Bücher, die Klassenfahrt steht auch an, und, und, und. Gerade in Zeiten anhaltender Finanzkrisen fällt es Eltern oftmals sehr schwer, diesen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Daher greift ihnen der Staat ein wenig mit Kindergeld unter die Arme.

Nicht nur für biologische Eltern

Der diesbezügliche Anspruch geht von den Eltern aus, nicht vom Kind. Befindet es sich in der Obhut von Pflegeeltern, sind diese berechtigt, Kindergeld zu beantragen. Dieses wird mindestens bis zum 18. Lebensjahr gezahlt. Befindet sich das Kind zu diesem Zeitpunkt in keinem geregelten Arbeitsverhältnis, werden die Zahlungen bis zum 21. Geburtstag fortgesetzt. Wenn es hingegen noch zur Schule geht, studiert oder sich in einer Ausbildung befindet, besteht der Zahlungsanspruch sogar bis zum 25. Lebensjahr – auch wenn das „Kind“ zu diesem Zeitpunkt einen armlangen Bart hat. Übrigens haben auch gleichgeschlechtliche Paare Anspruch auf Kindergeld, unabhängig davon, ob sie die Kinder adoptiert oder aus einer früheren Ehe mitgenommen haben.

Kindergeld für Ehepartner

Es spielt keine Rolle, in welchen Verhältnissen sich das Kind befindet. Am 05.02. dieses Jahres wurde just ein Fall bekannt, in dem das Finanzgericht einer Mutter kein Kindergeld gewähren wollte, weil sich der betreffende Sohn verheiratet hatte. In der nächsten Instanz wurde jedoch entschieden, der Anspruch bestehe nach wie vor: Seit dem 1. Januar 2012 muss keine klassische Unterhaltssituation mehr vorliegen, damit Anspruch auf Kindergeld besteht.

Wie erfährt man die Kindergeld-Auszahlungstermine?

Die Überweisung des Kindergelds erfolgt nicht zu einem einheitlichen Zeitpunkt, sondern kann der Kindergeldnummer entnommen werden. Dabei handelt es sich um eine elfstellige Ziffer, die das Kürzel „FK“ für „Feste Kindergeldnummer“ beinhaltet. Von Bedeutung für die Kindergeld-Auszahlungstermine ist jedoch die letzte Ziffer:

  • Eine 0 oder 1 bedeutet, dass das Kindergeld am Anfang des Monats überwiesen wird.
  • Eine 2 bis 7 bedeutet, dass das Kindergeld im Laufe des Monats überwiesen wird.
  • Eine 8 oder 9 bedeutet, dass das Kindergeld am Ende des Monats überwiesen wird.

Geduld ist eine Tugend

Unter „Ende des Monats“ ist für gewöhnlich ein Datum um den 20. zu verstehen. Dass das Kindergeld zu diesem Zeitpunkt überwiesen wird, bedeutet jedoch keineswegs, dass es den Eltern gleich zur Verfügung steht: Kommen Verzögerungen in der Kontoverwaltung und der eine oder andere Feiertag dazwischen, kann schon einmal eine Woche vergehen, bevor sich die Überweisung durch eine entsprechende Aufstockung der Finanzen äußert.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste

Ob man zum ersten oder hundertsten Mal Kindergeld beantragen geht, man sollte immer gut aufpassen, sich informieren und Fragen stellen, wo man nur kann. Wie in allen staatlichen Leistungen lauern auch in dieser zahllose Fallstricke, und vielen Eltern wurde das Kindergeld schon ohne Vorwarnung oder erkennbaren Grund aberkannt. Zwar lässt es sich häufig wieder einklagen, nichtsdestotrotz stehen der Familie dann erst einmal ein paar trockene Monate bevor – ganz abgesehen davon, dass ein Gerichtsverfahren Zeit, Geld und Kraft kostet.

Bildquelle: pixabay.com – © by Bonoz

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