DAX sorgt bei Börsianern für Feierlaune – doch die Freude währt möglicherweise nur kurz

In den letzten beiden Wochen legte der deutsche Aktienindex mächtig zu. Insgesamt kam er auf ein Plus von 500 Punkten und liegt aktuell – nach einer ersten Gewinnmitnahme, bei 7.360 Zählern. Mit einem Gegenwert von 1,31 US-Dollar notiert der Euro außerdem so hoch wie zuletzt Anfang Mai. Doch wie ist das möglich, wo die Euro-Krise doch längst noch nicht ausgestanden ist?

Maßgeblich verantwortlich für den rasanten Kursanstieg ist die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank FED. Erstere beschloss, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten mit ein- bis dreijährigen Laufzeiten zu erwerben und nimmt zudem in Kauf, ihre Notenpressen anwerfen zu müssen. Beflügelnd auf Anleger wirkt darüber hinaus auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das dem europäischen Rettungsschirm (ESM) zugestimmt hat.

Knauserig war auch die FED nicht. Am Donnerstagabend kündigte die US-Notenbank an, so lange mit Hypotheken besicherte Wertpapiere kaufen zu wollen, bis sich Arbeitsmarktperspektiven deutlich erholen. Die hierfür veranschlagte Summe: 40 Milliarden Dollar pro Monat. Flankierend will die Bank ihre Nullzinspolitik bis Mitte 2015 – und somit ein halbes Jahr länger als ursprünglich geplant – fortführen.

Die Aussicht auf massive Anleihe- und Wertpapierkäufe durch die EZB und die Federal Reserve belasten die Reservewährung US-Dollar. Davon profitiert der Euro. Denn da liquide Mittel in den USA zunehmend billiger werden, verlagern viele Investoren einen Teil ihres Kapitals wieder nach Europa. Da sie auf Jahre mit niedrigen Zinsen rechnen und Staatsanleihen aufgrund der Schuldenkrise vergleichsweise riskant sind, bleibt ihnen kaum eine andere Investitionsmöglichkeit als Aktien. Und so erklärt sich das Kurshoch des DAX. Nachhaltig ist das Ganze jedoch nicht, denn die Mischung aus Niedrigzinspolitik, aufgeblasenen Finanz- und Aktienmärkten, hohen Schulden und verhaltenen Konjunkturaussichten ist hochexplosiv.

Selbst einige Börsianer warnen bereits vor den Folgen der neuen Geldschwemme. Sie befürchten, dass die Investitionen nicht in der Realwirtschaft ankommen, sondern in neuerlichen Spekulationsgeschäften verpuffen. Auch die Inflationsgefahren seien akut, da die Geldpolitik mit dem neuerlichen Vorstoß der FED bereits zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit gelockert wurde. Dadurch erfährt der US-Dollar im Währungsvergleich schon jetzt eine kräftige Abwertung.

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