Der Euro – Chronik einer leichtfertigen Empfängnis

Gerade mal zehn Jahre ist er alt – und schon so heruntergekommen! Mangelnde Kinderstube, fehlende Fürsorge oder Übermut?

Der Euro – einst GlüEurokrisecks-, jetzt Sorgenkind.

Eigentlich mag man den Begriff Eurokrise schon längst nicht mehr hören. Im zehnten Jahr des Euroland-Währungsraums stehen die Zeichen auf Lähmung. Kein Finanzblog, der sich nicht um die Rettung sorgt. Genau genommen erleben wir keine Krise des Euros, sondern der Eurokraten. Dass das eigentliche Problem der gemeinsamen Währung ein strukturelles ist, nämlich das Nichtvorhandensein einer gemeinsamen Fiskalpolitik, wird schon längst nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand kolportiert. Doch offen auszusprechen traut sich das noch kein Regierungsverantwortlicher, die Aufgabe der nationalstaatlichen Finanzautonomie wäre politisch nicht vermittelbar. Und gewählt wird immer irgendwo im Euroland. Aber die Märkte machen Druck und der Rückgang des realen Bruttoinlandsvolumens in der Eurozone in 2011, der sich auch für 2012 abzeichnet, lässt nichts anderes als eine Rezession befürchten.

Schreckgespenst Rezession? Das Aus für die Glaubwürdigkeit des Euro.

Die Euroeinführung am 1.1.2002 wurde von allen Staatsmännern bejubelt. Goldenen Zeiten sollten wir entgegengehen. Die Stärke der Gemeinschaft symbolisierte er und tatsächlich waren seine ersten Jahre von großer Prosperität geprägt. Dass Griechenland pikanterweise als erstes Euro-Land (wegen der Zeitumstellung) über den Euro verfügte, ist ein Treppenwitz der Geschichte. Allerdings spuckten die griechischen Geldautomaten am 1. Januartag immer noch Drachmen aus! Ein Menetekel? Na ja, man soll die griechische Tragödie nicht überstrapazieren. Kein Zweifel besteht allerdings daran, dass Europa zu schnell und zu unüberlegt gewachsen ist. „Imperial overstretch“ nannte es in einem anderen Fall der Historiker Paul Kennedy. Nun müssen wir mit ihm leben, denn aufgeben gilt nicht.

Scheitern war im Euro-Konzept nicht vorgesehen, es gab keine Krisenpläne, keine Konfliktlösungsszenarien, keine Worst-Case-Studies. Zur Zeit erleben wir, wie Missgunst, Neid, Kontrollsucht, Zwietracht sich länderüberquerend ausbreiten – allesamt antike Tragödienqualitäten. Gemeinsamkeiten – Fehlanzeige, dagegen tun sich alte Gräben auf. Sprachbarrieren, Mentalitätsunterschiede und nationale Finten (Schummel-Griechen) sorgen für gegenseitigen Vertrauensverlust. Einst gab es die Quadriga der Großen – heute kann jedes noch so kleine Mitgliedsland das ganze Gebälk zum Einsturz bringen.

Kommentar schreiben

1 Kommentare.

  1. Europa ist nicht mit Ketten am Firmament befestigt und der Euro noch weniger. Wiederbegegnungen mit der Geschichte stehen den Deutschen ins Haus. Wenn der Euro scheitert, so sagt die Bundeskanzlerin, dann folgt Europa…

Kommentar schreiben


Hinweis - Du kannst dies benutzenHTML tags and attributes:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>