Der Mindestlohn in Deutschland – Ende gut, alles gut?

mindestlohn deutschlandSeit zehn Jahren schwelt der Streit um den Mindestlohn in Deutschland, manchmal kochte er auch über. Ab 2015 soll nun der flächendeckende Mindestlohn in Deutschland in Kraft treten, das Kabinett hat den von Arbeitsministerin Andrea Nahles vorgelegten Entwurf gebilligt. Ist damit eine lange Diskussion beendet? Mitnichten. Sogleich wurden Forderungen nach Ausnahmen laut, beispielsweise im Fall von Jugendlichen und Langzeitarbeitslosen. Diese Ausnahmen beim Mindestlohn in Deutschland sind aber bereits in den Entwurf integriert.

Im Fall der Arbeitslosen soll der Mindestlohn in Deutschland erst nach einem halben Jahr gelten, um so einen Weg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Dem Missbrauch von Arbeitgeberseite wird dadurch natürlich Tür und Tor geöffnet, da ein Betrieb den Mitarbeiter nach einem halben Jahr wieder entlassen und sich einen neuen Angestellten suchen kann, was aber für das öffentliche Bild des betreffenden Arbeitgebers wohl keine sonderlich gute Publicity wäre.

Auch Jugendliche oder Studenten, die beispielsweise ein Ferienpraktikum absolvieren, dürfen nicht damit rechnen, künftig den Mindestlohn in Deutschland von 8,50 Euro pro Stunde zu erhalten. Die Regelung wird erst nach Abschluss einer Berufsausbildung oder eines Studiums gelten. In gewisser Weise ist diese Vorgehensweise beim Mindestlohn in Deutschland auch nachzuvollziehen, da viele Betriebe unter diesen Voraussetzungen wohl von der Vergabe von Praktika absehen würden, weil diese schlichtweg zu teuer wären. Da Praktika in der Regel nicht sonderlich lange dauern (circa sechs Wochen bis drei Monate), würde der Aufwand in Bezug auf die Einarbeitung möglicherweise nicht den Nutzen für den Betrieb rechtfertigen, wenn dabei ein reguläres Gehalt gezahlt würde.

Mindestlohn in Deutschland – Generation Praktikum ade?

Anders sieht es in Bezug auf Praktika und Volontariate aus, die nach Studium oder Berufsausbildung abgeleistet werden. Ein flächendeckender Mindestlohn in Deutschland hilft möglicherweise dabei, eine von Unternehmen jahrelang betriebene Unart zu unterbinden. Unter Bezeichnungen wie „Trainee“ oder „Volontär“ wurden Absolventen für eine schlechte Bezahlung zum Teil für mehrere Jahre als ganz normale Arbeitskräfte beschäftigt. Nur damit die Arbeitgeber am Ende die Festanstellung verweigerten, den nächsten Schwung an Volontären einstellten und diese zum Teil von der „alten Garde“ einarbeiten ließen. Diese alte Garde fand sich dann häufig in der Arbeitslosigkeit wieder, aus der heraus sie nicht selten im nächsten Volontariat landete.

Der Mindestlohn in Deutschland schafft diesen Missstand möglicherweise ab und macht aus der „Generation Praktikum“ womöglich tatsächlich eine „Generation Vielfalt“, die zwar schon vor Jahren von Forschern proklamiert wurde, letztendlich aber doch sehr weit von der Realität entfernt war. In diesem Sinne ist ein Mindestlohn in Deutschland durchaus zu begrüßen. Ob es dadurch, wie von manchen Volkswirtschaftlern befürchtet, zu einer höheren Arbeitslosigkeit kommt, wird sich zeigen müssen. Auf der anderen Seite steht die große Zahl der Menschen, die zwar auf dem Papier Arbeit haben, aber davon keineswegs leben können. Sie arbeiten gewissermaßen für eine geschönte Arbeitslosenstatistik der Bundesregierung. Auch dies könnte sich durch den flächendeckenden Mindestlohn in Deutschland ändern. Hoffentlich zum Positiven!

Bildquelle: pixabay.com – © by PublicDomainPictures

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