Equal Pay Day – Frauen verdienen weniger Geld

Die Tatsache, dass Frauen in Deutschland (und nicht nur dort) im Schnitt deutlich geringere Gehälter erhalten als männliche Arbeitskräfte, wird seit Jahrzehnten bemängelt. Trotz rechtlich festgelegter Gleichbehandlungsrichtlinien ist das Einkommen im Vergleich der Geschlechter alles andere als identisch. Bereits 1966 entstand in den USA die jährliche Tradition des Equal Pay Day: ein Tag, der auf diese offenbare Ungerechtigkeit aufmerksam machen soll. Die Idee fand im Laufe der Zeit international Verbreitung, und 2007 wurde das Konzept schließlich auch in Deutschland eingeführt. Der Zeitraum vom Jahresbeginn bis zum Equal Pay Day – der fand 2014 am 21. März statt – soll die Zeitspanne symbolisieren, in welcher der weibliche Anteil der Bevölkerung rein rechnerisch „umsonst“ arbeitet (in diesem Fall 80 Tage).

Was Anhänger des Equal Pay Day gerne übersehen

equal pay dayBei aller Kritik im Rahmen des Equal Pay Day werden allerdings einige wichtige Fakten unterschlagen. Die offizielle Differenz der Durchschnittslöhne von Männern und Frauen beträgt rund 22 Prozent. Wer diese Zahl so interpretiert, dass die deutsche Frau ungerechterweise 22 Prozent weniger verdient als männliche Konkurrenten, sitzt allerdings einem Trugschluss auf. Tatsächlich spielen vielfältige Faktoren in diese Rechnung mit hinein – der Wichtigste darunter ist wohl die Tatsache, dass die weibliche Bevölkerung tendenziell in gänzlich anderen Branchen und Positionen arbeitet. So ist der hoch vergütete Berufsbereich des Ingenieurswesens nach wie vor eine Männerdomäne, während Frauen meist weniger gut bezahlte, soziale Tätigkeiten ausüben.

Equal Pay – sinnvolles Konzept, mangelhafte Anwendung

Um aussagekräftigere Zahlen zur vermeintlichen lohntechnischen Benachteiligung von Frauen in Deutschland aufzustellen, müsste zuerst eine höhere Vergleichbarkeit geschaffen werden. Sprich: Es müssten Männer und Frauen gegenübergestellt werden, die sich außer in ihrem Geschlecht in keinem weiteren relevanten Faktor – Ausbildung, Berufserfahrung, genaue Tätigkeit und Position im Unternehmen – voneinander unterscheiden. Solange solche Vergleichspaare nicht existieren, ist der Versuch, die Ungleichbehandlung statistisch präzise zu erfassen, zum Scheitern verurteilt. Eine Kalkulation des Statistischen Bundesamts – das sogenannte „bereinigte Lohnpotenzial“, welches die oben genannten Faktoren zu einem möglichst großen Teil berücksichtigt – errechnet eine Einkommensdifferenz von acht Prozent, was deutlich unter den in den Medien propagierten 22 Prozent liegt.

Selbst diese acht Prozent stellen einen Wert dar, der durch noch subtilere Faktoren verfälscht ist. So führen Kritiker des Equal Pay Day beispielsweise an, dass viele Frauen möglicherweise gerade aufgrund der stets angeprangerten geringen Gehaltsaussichten gar nicht erst bereit seien, viel Zeit und Geld in ihre Berufsausbildung zu investieren und dadurch zwangsläufig eine geringere Qualifikation aufwiesen als ihre männlichen Konkurrenten. Dazu komme noch der Aspekt der Familie, der Frauen öfter als Männer dazu verleite, sich berufliche Auszeiten zu nehmen oder schlechter bezahlten Teilzeittätigkeiten nachzugehen. Solange diese Umstände nicht ausreichend berücksichtigt werden, ist die Forderung nach geschlechtsübergreifendem „Equal Pay“ verfehlt.

Bildquelle: pixabay.com – © by martaposemuckel

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