Expropriation der Profiteure – wie viel Marx braucht Brüssel?

Wer mehr leistet, soll auch am Ende des Monats mit einem Mehr an Gehalt belohnt werden. Dieser Grundsatz ist einfach nachvollziehbar und sollte jeden überzeugen, der in irgendeiner Form an der freien Marktwirtschaft partizipiert. Allerdings ist es mit dieser leichten Verständlichkeit sehr schnell vorüber, wenn man von exorbitant hohen Banker-Boni und Managergehältern hört und liest. Ist es zu rechtfertigen, dass sich Vorstandschefs führender Unternehmen und namhafter Kreditinstitute mit Salären von bis zu 15 Millionen Euro pro Jahr ausstatten? Die unbefriedigende Antwort lautet: ja und nein.

Von Bern bis Brüssel: Gierhälsen soll es an den Kragen gehen

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der staatlichen Deckelung von Managergehältern. Was die Schweiz per Volksabstimmung mit einer riesigen Mehrheit beschlossen hat, soll nach Wünschen führender Politiker auch für die Europäische Union zur Maxime werden. Oder gar zur Marxime? Denn die Einführung einer gehaltlichen Obergrenze in freien Wirtschaftsunternehmen durch staatliche Beschlüsse bedeutet einen massiven Eingriff in die marktwirtschaftlichen Strukturen. Das würde einer Politik gleichkommen, wie sie eigentlich nur von angestaubten Parteien aus dem linken Spektrum befürwortet wird. Im Grunde sind nämlich hohe Gehälter nur Ausdruck und Sinnbild des Kapitalismus – sie können lediglich dort gezahlt werden, wo zuvor auch entsprechend große Umsätze erwirtschaftet worden sind. Und Gewinne werden wiederum nur erzielt, wenn die potenzielle Käuferschaft eifrig konsumiert. Astronomische Boni-Zahlungen sind also nur bei wirtschaftlichem Erfolg möglich – Schmier-, Schwarz-, Spekulations- und Spendengelder einmal außer Acht gelassen.

Moralische Disziplin anstelle staatlicher Einflussnahme

Die Frage nach der systemischen Rechtfertigung hoher Gehaltszahlungen ist anders gelagert als die Frage nach der moralischen Richtigkeit. Kann man jährlich ruhigen Gewissens 15 Millionen Euro einstreichen, während Arbeitnehmer trotz Vollzeit-Job ihre Gehälter mit Hartz IV aufstocken müssen? Hier wäre die moralische Disziplin unserer Eliten wesentlich gefragter als jede staatliche Einflussnahme, damit man sich in Brüssel nicht auf das dünne Eis des linken Konservatismus begeben muss. „Vernünftige aller Länder, vereinigt euch!“, sollte es deswegen lauten – frei nach Marx und Engels.

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