Götterdämmerung in Europa oder Griechenlands spät-antike Erinnye

Kein Finanzblog, der dieser Tage nicht ganz tief in den Untiefen der Eurokrise angekommen wäre. Atemlos beobachten wir seit Monaten die Nachrichten, Auguren und Propheten. Eigentlich sollte uns jetzt nichts mehr erschüttern. Erst mussten Unternehmen gerettet werden, dann die Banken, jetzt sind es ganze Staaten. Die ganze Welt wird angepumpt. Wo ist das Ende der Fahnenstange?

Finanzkrise in Europa – hausgemacht und abwendbar.

Man sollte meinen, dass jeder vor seiner eigenen Haustür kehren sollte. Aber im globalen Zeitalter gibt es kein Entrinnen: Einmal gezündelt, greift das Strohfeuer schnell auf ganze Kontinente über. Staaten warfen frohen Muts das Geld mit vollen Händen über die Bordkante. Scheffelten Schulden wie Heu. Korruption und Vetternwirtschaft feierten fröhliche Urständ. Das Wachstum allerdings lahmte. Aber Wachstum ohne Investitionen – ohne Kohle? Schwindelerregende Zahlen schwirren durch den Raum. Banken verrechnen sich um 55 Milliarden, ohne dass jemand was merkt. In der Finanzkrise haben Nullen-Jongleure Hochkonjunktur. Griechenland kommt mit einem blauen Auge davon, Italien gelobt zerknirscht Besserung. Frankreichs Präsident kündigt Reformen an. Portugal und Spanien sagen nix. Merkel rettet erst mal Europa.

Wer den eben erlebten Rettungsschirm-Marathon bis zum Ende verfolgte, blieb erschöpfter zurück als die agierenden Personen selbst. Abgehobener kann sich Finanzpolitik kaum aufführen. Wenn Bürger das Handeln der Regierungen und die Wirkungen des Handelns nicht mehr durchschauen, wachsen Dumpfheit und Indifferenz. Keine Attribute, die auf mündige und demokratietreue Bürger hinweisen. Die Eurokrise ist ein hervorragender Nährboden für Angst und Neid. Dem gebeutelten Griechenland werden Schulden in einer Höhe erlassen, die sich der normale Bankkunde gar nicht vorstellen mag. Der kleine Selbstständige, dem gerade ein Kleinkredit abgelehnt wurde, greift sich an den Kopf.

„Es ist noch immer alles gut gegangen!“

Im „Herr der Ringe“ bekommen die ‚Guten‘ immer frische Truppen, wenn sie kurz vor dem Untergang stehen. Man gewöhnt sich an alles, auch an Untergangs-Szenarien. Die Eurokrise musste erst kurz vor der Explosion stehen, bis sich ein heterogenes Bündnis von national-arroganten Einzelgängern zu einer gemeinsamen Entscheidung durchkämpfte. Dass es ganz hübsch nach Pyrrhus-Sieg riecht, verdrängen wir lieber! Die nächste Finanzkrise sammelt bereits ihre Soldaten vor den Toren Roms …

 

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5 Kommentare.

  1. Thank you for sharing your opinion here. I really value it.

  2. Habe letztens einen witzigen Tweet zu dem Thema gelesen… „Ich finde ja, Georgios Papandreou ist die bisher beste Rolle von Günter Wallraff.“ XD

  3. Meiner Meinung nach gleicht Papandreou einem Zocker, der alles auf eine Zahl setzt.Und er scheint leider nicht der einzige Hasardeur unter Europas Politikern zu sein..

    Bin gespannt wann die gleiche Thematik bei Italien und Portugal auftaucht.

  4. HAHA sehr amüsanter Beitrag vom ponyhof ;).

    Auch wenn ich das Thema bald nicht mehr hören kann.
    Ob Griechenland mit einem blauen Auge davon kommt muss noch abgewartet werden. Das entscheidet das Volk, bei denen der Rettungsplan etwa so populär ist wie der berühmte Sack Reis in China.

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