Höhenflug an der Börse – einsteigen oder besser bleiben lassen?

„Griechenland-Krise abgehakt, Zinsen niedrig, Top-Ausgangslage, weltweiter Börsen-Höhenflug, DAX auf 18-Monats-Hoch (6.814,31 Punkte), Dow Jones peilt 11.000.Marke an.“ – Diese Meldung aus dem Focus Online vom 29.03.2010 ist nicht aktuell, könnte es aber sein.

Hoffnungsfroh startete die Börse auch in 2011. Der Dax nahm zum Jahresbeginn problemlos die magische 7.000-Punkte-Hürde, der Dow Jones bewegte sich um die 12.000 Punkte. Auch jetzt, zu Beginn des Jahres 2012, preisen Experten wieder einmal einhellig die Hochstimmung an den internationalen Börsen. Der DAX bewegt sich – man staune – bei 6.800 Punkten und habe gute Aussichten, die 7.000er Marke zu knacken. Ähnlich gut geht es dem Nikkei und dem Dow Jones, trotz enormer Schuldendefizite und dem Milliardengrab Griechenland, dessen Bankrott wohl nicht mehr abzuwenden ist.

Doch was soll‘s. Die Konjunkturaussichten stehen besser als erwartet, die Zinsen sind niedrig und die Weltwirtschaft wird 2012 um schätzungsweise drei Prozent wachsen. Deutsche Unternehmen können angesichts von Exporten über eine Billion Euro in vergangenen Jahr in eine rosige Zukunft blicken. Ein hervorragender Zeitpunkt für Kleinanleger, in den Börsenhandel einzusteigen, zumal „sichere“ Wertpapiere zusehends weniger Rendite abwerfen.
Das gleiche Spiel wie Anfang 2010 und 2011. Denn auch damals sah es an der Börse gut aus. Bis zum atomaren GAU im japanischen Fukushima, der den Anlegern im März einen Strich durch die Rechnung machte. Der Dax brach um 13 Prozentpunkte ein, der Dow Jones um sieben Prozent. Die Kursrückschläge konnten im April (Dax) und Mai (Dow Jones) zwar wieder aufgefangen werden, doch dann kam Griechenland.
Die Ratingagenturen rateten schlecht, Frankreich verlor seine Bestnote, der Pleitegeier kreiste über Portugal, Spanien, Italien und drohte, die Eurozone in den Abgrund zu reißen. Ende Juli/Anfang August 2011 kam es dann zum Crash. Der Dax büßte rund ein Drittel seines Wertes ein, und auch der Dow Jones musste 2.000 Punkte lassen.
Es folgten Rettungspakete und schließlich der permanente Rettungsschirm für krisengeschüttelte Euroländer. Griechenland soll seine Schulden nun bis 2020 auf 120 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts senken, doch ausreichen wird das kaum. Ein Totalverlust für alle Gläubiger, auch die EZB, ist nicht mehr auszuschließen. Andere Länder wie Portugal und Spanien könnten davon mitgerissen werden.
Da fragt man sich, wie lange die Börseneuphorie anhalten wird. Wenn Kleinanleger einsteigen, sicher nicht mehr lange, heißt es unter Börsenprofis. Tatsächlich gibt es einige Unsicherheitsfaktoren auf dem sehr emotionalen Börsenparkett. Zum Beispiel den sich verschärfenden Atomkonflikt mit Iran oder eben eine Griechenland-Pleite. Beides wäre für das erwartete Wirtschaftswachstum tödlich.

Wenn also Aktien kaufen, dann Qualitätsaktien von renommierten Unternehmen mit nachhaltigem Geschäftsmodell, und am besten dann, wenn der Crash seinen Höhepunkt erreicht hat. Nicht, wenn „Experten“ und Presse es empfehlen. Ein guter Zeitpunkt war der Sommer 2011. Jetzt ist der Zug erst einmal wieder abgefahren. Doch keine Sorge, der nächste Kurssturz kommt bestimmt!

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