Mittels Carry Trade von Währungsunterschieden profitieren

„Carry Trade“ bezeichnet nicht etwa den Verkauf alter Bücher von Stephen King, sondern das Ausnutzen der niedrigen Leihzinsen mancher Währungen, indem man ein Fremdwährungskonto anlegt. Diese oft mit CCT abgekürzte Business-Taktik wird vollständig als „Currency Carry Trade“ bezeichnet und ist vergleichsweise simpel.

carry tradeUnd so funktioniert Carry Trade:

Der Carry Trade-Investor hält nach einem Land Ausschau, dessen Zinsen besonders niedrig sind. Dort leiht er sich Geld und legt anschließend ein Fremdwährungskonto in einem Land an, in dem die Zinsen wiederum besonders hoch sind – etwa ein im Aufstieg befindliches Schwellenland. Eine erfolgversprechende Strategie, dieser Carry Trade, möchte man meinen: Auf dem Fremdwährungskonto sammeln sich Zinsen an, die diejenigen der Leihsumme weit übersteigen, sodass man sie praktisch jederzeit zurückzahlen und Profit machen kann.

Doch wie kommen die Zinsen aufs Fremdwährungskonto?

Ähnlich vielen finanzwirtschaftlichen Ansätzen scheint auch Carry Trade davon auszugehen, dass sich die Zinsen auf dem Fremdwährungskonto materialisieren, ohne dass sie jemand bezahlen muss. Führt aber jeder zweite Anleger in einem Land ein Fremdwährungskonto, führt dies zu einer erheblichen Belastung des dortigen Finanzsystems – und einer empfindlichen Schwächung der Währung.

Die Finanzkrise schlägt wieder zu

Genau dies scheint in zahlreichen Schwellenländern geschehen zu sein. Zu Anfang des Jahres brachen die Währungen Brasiliens, Südafrikas, der Türkei und anderer aufstrebender Staaten überraschend ein, und Carry Trade-Anleger fanden plötzlich ein großes Finanzloch vor, wo sie ihr Fremdwährungskonto vermuteten. So wurde nichts aus dem narrensicheren Investment: Wie die meisten Spekulations-Taktiken entpuppte sich auch Carry Trade als höchst riskant.

Carry Trade nur bei niedrigem Wellengang

Wer in ein Fremdwährungskonto investieren möchte, sollte währungstechnische Schwankungen genauestens im Auge behalten. Büßt eine Währung an Wert ein, ähnelt ihr Kurs häufig einer Achterbahnabfahrt – Zögern kann gewaltige Lücken ins Fremdwährungskonto reißen. Carry Trade kommt also vor allem für Zeiten infrage, zu denen die Volatilität, also die Schwankungen zwischen einzelnen Währungen, besonders niedrig ist. Für das Fremdwährungskonto sollte man nach einer Währung Ausschau halten, deren Wechselkurs stabil steigt – dabei jedoch im Hinterkopf behalten, dass dies keineswegs ewig weitergehen muss.

Die US-amerikanische Zentralbank und das Fremdwährungskonto

Als die US-Notenbank den Leitzins auf null Prozent reduzierte, erschütterte sie die Welt, schuf jedoch eine solide Grundlage für alle Carry Trade-Anhänger, die ihr Fremdwährungskonto ambitionierten Schwellenländern anvertrauten. Dass der Leitzins auf seinem Rekordtief verbleibt, ist jedoch keineswegs sicher. Sollte er wieder steigen, werden viele Carry Trade-Investoren zum risikofreien Finanzriesen USA zurückkehren und ihr Geld aus den anderen Staaten abziehen. Dies führt zu einem lawinenartigen Abrutsch der Währung, sodass sich das Fremdwährungskonto auf einen Schlag in ein riesiges Verlustgeschäft verwandelt.

Wachsende Wechselkurse begünstigen Carry Trade

Wer sich an Carry Trade heranwagt, sollte sein Fremdwährungskonto in einem Staat anlegen, dessen Zinsen gegenüber denen der Leihwährung einen erheblichen Vorsprung haben. Je höher der Wechselkurs, desto größer auch das daraus resultierende „Sicherheitspolster“: So hat man bei einem Absturz der Carry Trade-Währung noch genügend Zeit, die Trends zu beobachten, Optionen abzuwägen und das Fremdwährungskonto lieber früher als später leerzuräumen. Beim Carry Trade gilt also der gleiche Grundsatz wie bei jeder anderen Anlageform auch: Holzauge sei wachsam!

Bildquelle: pixabay.com – © by PublicDomainPictures

Kommentar schreiben

0 Kommentare.

Kommentar schreiben


Hinweis - Du kannst dies benutzenHTML tags and attributes:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>