Mittelstandsanleihen, oder: Wie man ein Fass ohne Boden finanziert

Droht ein Unternehmen in die Insolvenz abzugleiten, bietet sich ihm ein verlockender Rettungsanker: Mittelstandsanleihen. Dabei handelt es sich um eine vergleichsweise neue Anlageform mit einem Emissionsvolumen, das in der Regel zwischen 15 und 150 Millionen Euro liegt. Da sie in der allgemein als verlässlich und robust angesehenen Mittelschicht der deutschen Unternehmenslandschaft angesiedelt sind, werden Mittelstandsanleihen für gewöhnlich eine stabile Rendite von fünf Prozent oder mehr nachgesagt.

Mittelstandsanleihen damals und heute

In den letzten Jahren sind Mittelstandsanleihen jedoch verstärkt in die Kritik geraten, da sie sich als äußerst Mittelstandsanleihenrisikoreich erwiesen haben. Oftmals entpuppen sich die Betriebe, in die man investiert hat, als finanzielle Desaster, deren Zusammenbruch schon seit Langem absehbar war. Über die Mittelstandsanleihen wurde noch ein wenig frisches Geld hineingepumpt, sodass sich der insolvente Betrieb ein paar Tage länger über Wasser halten konnte und die Gläubiger eine Chance hatten, ihr Kapital zurückzubekommen.

Ambivalenz in Bezug auf die Insolvenz

Bei Mittelstandsanleihen hat der kleine Privatanleger meist das Nachsehen. Stellt sich das finanzierte Unternehmen als bankrott heraus, gibt es für ihn keinerlei Möglichkeiten, den Verlust auszugleichen. Dennoch versuchen zwielichtige Berater immer wieder, Menschen für Mittelstandsanleihen zu begeistern. Sie stellen die betreffenden Firmen dabei als besser situiert dar, als sie tatsächlich sind. Auf diese Weise wird aus einer Firma, die seit Monaten am Rand des finanziellen Abgrunds schwankt, ein innovativer Vorreiter, dem nur eine kleine Finanzspritze zum großen Durchbruch fehlt – und damit ein potenzieller Kandidat für Mittelstandsanleihen.

Mittelstandsanleihen müssen beide Seiten schlucken

Den betroffenen Unternehmern kann man im Grunde nur eine Teilschuld geben, denn die meisten von ihnen wären bis vor wenigen Jahren nie auch nur auf die Idee gekommen, ihre Schulden mithilfe von Mittelstandsanleihen zu decken. Auch ihnen musste dieses Prinzip erst schmackhaft gemacht werden. Inzwischen haben sich Mittelstandsanleihen indes bei baufälligen Finanzierungskonzepten zur Konsolidierungspraxis entwickelt. Wir werden in Zukunft also noch häufiger von Firmen wie der Siag Schaaf Industrie AG hören.

Hart am Wind der Krise

Dieses in Deutschland ansässige Unternehmen baute Windkraftanlagen, fuhr jedoch von Anfang an nichts als Verluste ein. 2011 trat der Finanzberater Blättchen & Partner auf das angeschlagene Unternehmen zu und machte ihm einen Vorschlag: Mittelstandsanleihen. Dem Vorstand der Schaaf AG wurden 50 Millionen Euro versprochen – zu Gesicht bekommen hat er davon leider nur 13, und sowohl für das Unternehmen als auch für die Käufer der Mittelstandsanleihen war die ganze Angelegenheit eine Katastrophe.

Des einen Leid sind des anderen Mittelstandsanleihen

Es stellt sich heraus, dass Finanzberater wie Blättchen & Partner regelmäßig nach Unternehmen suchen, deren Zahlen rot genug sind, dass sie an der Ausgabe von Mittelstandsanleihen interessiert sein könnten. Dabei haben sie jedoch nicht das Wohl des Betriebs, der Mitarbeiter oder der Anleger im Sinn, sondern ihre eigenen Interessen, was heutzutage keine Überraschung mehr sein sollte. Da sich die Gebühren dieser Beratungsfirmen für gewöhnlich nach den Einnahmen des Unternehmens richten, besteht ein hoher Anreiz, so viele Mittelstandsanleihen wie möglich zu verkaufen. Auf diese Weise nehmen die Firmen Kredite auf, die angesichts ihres derzeitigen finanziellen Status‘ unter keinen Umständen zu verantworten sind. Das per Mittelstandsanleihen investierte Geld wird letztendlich von den Schulden aufgefressen, und beide involvierte Parteien sehen davon keinen Cent wieder. Der Berater streicht hingegen ein üppiges Honorar ein und sucht den nächsten Unternehmer auf.

Keine Anleihen an der Haustür, bitte!

Das Fazit lautet also: Mittelstandsanleihen sind bestenfalls riskante Anlagen, selbst wenn man über umfangreiches Insiderwissen verfügt. Wer sich nicht sicher ist, ob das finanzierte Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen wirklich nachkommen kann, lässt besser die Finger von der Sache, ehe alles nur noch schlimmer wird. Und vor allem: Wenn jemand unaufgefordert vorbeikommt und Mittelstandsanleihen anbietet, am besten gleich die Tür vor der entsprechenden Nase zuschlagen. Das ist sicherer.

Bildquelle: pixabay.com – © by Nemo

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