Niedrigzins bringt Lebensversicherer in Zugzwang – neue Versicherungsmodelle in Aussicht

„Schluss mit dem Garantiezins“ – so lautet der Tenor, der derzeit bei vielen großen Lebensversicherern vorherrscht. Hintergrund ist die anhaltende Niedrigzinsphase. Diese existiert nicht etwa erst seit der Eurokrise, sondern mindestens seit 1994. Seitdem geht der Trend stetig zurück.

Zeit für neue Garantiemodelle, denkt sich die Branche. Denn angesichts sinkender Zinseinnahmen wird es zunehmend schwierig, die zugesicherten Garantiebeträge tatsächlich an die Versicherten auszuzahlen. Zumal die Lebensversicherer ihre Kunden seit 2008 per Gesetz mit 50 Prozent an ihren Reserven beteiligen müssen.

Eine Mindestzinsabsenkung von Altverträgen ist zwar (noch) nicht möglich, Neuabschlüsse befinden sich jedoch schon jetzt auf einem Garantiezins-Tief. Das heißt de facto: Wer seinen Vertrag in den 1990er Jahren abschloss, erzielt damit noch vier Prozent Rendite, wer sich heute für eine Lebensversicherung entscheidet, erhält nur noch 1,75 Prozent. Das Resultat ist demnach eine eklatante Ungleichbehandlung der Versicherten.

Auch der durchschnittliche jährliche Zinssatz von 3,9 Prozent reißt nichts heraus, wobei es auch hier eher ab- als aufwärts zu gehen scheint. Bei einem Zinssatz von unter zwei Prozent muss man – inflationsbedingt – bereits von einem reellen Verlust ausgeht.

Um ihre Garantieversprechen auch in Zukunft erwirtschaften zu können, basteln die Lebensversicherungen zunehmend an alternativen Modellen. Flexibilisiert werden soll dabei vor allem die Garantie. Als Möglichkeit werden etwa eine mehrstufige, zeitliche Staffelung oder die Beschränkung der Garantie auf einen begrenzten Zeitraum betrachtet. Auch die Überlegung, den Verbrauchern lediglich ihre Einlagebeträge zu garantieren, gibt es. Ferner könnte die Rendite, statt wie bisher Jahr für Jahr, erst am Ende der Laufzeit ausgezahlt werden. Auch über eine Kopplung der Zinsen an die Inflationsentwicklung wird nachgedacht, denn je höher diese ausfällt, desto höher sind in der Regel auch die Zinsen am Kapitalmarkt, was eine Chance auf größere Erträge in Aussicht stellt.

Daneben setzt die Versicherungsbranche verstärkt auf zinsunabhängige Angebote wie Schaden, Unfall- und fondsgebundene Versicherungen. Geplant ist eine Anhebung fondsgebundener Modelle von derzeit 30 auf 50 Prozent. Gestärkt werden sollen darüber hinaus auch die Berufsunfähigkeits- und Pflegeversicherungen sowie die private Krankenversicherung mit ihren zahlreichen Ergänzungstarifen.
Schlussendlich müssten die Versicherer jedoch auch Kosten senken, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, so Alexander Erdland. Für den Chef der Wüstenrot & Württembergischen Lebensversicherung und designierten Verbandschef der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) führt demnach eigentlich kein Weg an Sparrunden vorbei. Denn der Druck verschärft sich nicht nur durch die anhaltenden Niedrigzinsen, sondern auch durch die verschärften Regulationsbestimmungen nach Solvency II. Demnach sollen Investitionen auch im Bereich der Versicherungen verstärkt durch Eigenkapital der Gesellschaften unterfüttert werden.

Trotz aller Schwierigkeiten, so Erdland, seien Lebensversicherungen dennoch eine gute Anlage. Denn die Zinsen bewegten sich derzeit auch bei anderen Finanzprodukten auf einem niedrigen Stand, wobei Lebensversicherungen zumindest noch ein relativ hohes Maß an Sicherheit böten. Für den einfachen Bürger ist es bei dieser Einschätzung und den aktuellen Finanznachrichten also vermutlich die beste Alternative, sein Geld gleich auszugeben. So kann man zumindest nichts mehr verlieren.

Kommentar schreiben

1 Kommentare.

  1. Lebensversicherungen sind nicht gut verzinst, nicht fungibel, der Inflation ausgesetzt und haben eine viel zu lange Laufzeit. Sicher ist im ürbigen auch relativ!

Kommentar schreiben


Hinweis - Du kannst dies benutzenHTML tags and attributes:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>