Portugals Großbank Banco Espirito Santo in Schieflage

Die Nachrichtenlage in den vergangenen Monaten war überaus positiv, die Schuldenstaaten in Europa berappelten sich und insbesondere die Portugal-Krise schien beendet zu sein. Man wähnte sich auf der iberischen Halbinsel auf einem guten Weg und kommunizierte dies auch entsprechend selbstbewusst. Doch wie schnell es auch wieder in eine andere Richtung gehen kann, zeigt die aktuelle Lage um die portugiesische Großbank Banco Espirito Santo. Da die Holding von Portugals größter Bank in großen Schwierigkeiten steckt und in Unregelmäßigkeiten verstrickt ist, wächst die Sorge, dass der Staat als Retter einspringen muss. Portugal war zuletzt nur deshalb wieder in der Spur, weil man sich an einen strikten Sparkurs hielt. Sieht der Staat sich allerdings dazu veranlasst, der Banco Espirito Santo wieder auf die Beine zu helfen, stehen die einstigen Sparbemühungen erneut auf wackligen Beinen.

banco espirito santoIst das Drama um die Banco Espirito Santo kein Einzelfall?

Dass die portugiesische Notenbank hierbei beschwichtigen will, liegt in der Natur der Sache. Portugal kann sich ein neuerliches Banken-Drama nicht erlauben, die Frage ist jedoch, wie die Investoren reagieren. Laut Notenbank kann sich die Banco Espirito Santo zunächst einmal selbst helfen und man gehe nicht davon aus, einen erneuten Flächenbrand auszulösen. Doch wenn Anleger zweifeln und die Börsen unruhig werden, hat das sehr wohl Auswirkungen auf ganz Europa. Denn nicht nur in Portugal sind eher rückläufige Konjunkturentwicklungen zu verzeichnen. Auch hierzulande oder in Frankreich läuft es nicht so wirklich rund, sodass Investoren genauer hinsehen und die Lage beobachten. Die Banco Espirito Santo muss nämlich nicht zwingend ein Einzelfall und ein rein portugiesisches Problem sein. Würde die Bankenaufsicht in allen europäischen (Schulden-)Staaten funktionieren, müsste man sich keine Sorgen um eine neue Schuldenkrise machen.

Viele Großbanken sind weitverzweigt. Und gerät die eine in einen heftigeren Schlingerkurs, kann es passieren, dass auch die “Partner“ in Turbulenzen geraten. Die Verunsicherung an den Finanzmärkten würde in diesem Fall wieder um sich greifen und man hätte wieder “den Salat“. Bleibt es bei mangelnder Transparenz und ist die Kontrollaufsicht eher schwach, kann sich der Fall “Banco Espirito Santo“ ständig wiederholen.

Noch, so scheint es, hat man die aktuelle Portugal-Krise im Griff – wenn nicht noch mehr Schocknachrichten ans Licht kommen. Gerät allerdings eine weitere Bank in einem anderen europäischen Land auf die schiefe Bahn, müssen die Europäer einmal mehr beweisen, ob sie tatsächlich füreinander einstehen. Der Euro-Rettungsschirm könnte sich im Notfall natürlich noch schützend aufspannen. Schöner wäre es jedoch, wenn es die Banco Espirito Santo aus eigener Kraft schafft und sich die allgemeine Verunsicherung an den Kapitalmärkten wieder legt.

Bildquelle: flickr.com – © by Amendoas

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