Prokon-Pleite – was erwartet die Anleger?

Das seit knapp 20 Jahren im Bereich der erneuerbaren Energien tätige Unternehmen Prokon ist pleite. Seit diese Nachricht bekannt wurde, bangen Anteilseigner um ihr investiertes Kapital. Rund 75.000 Anleger steckten insgesamt circa 1,4 Millionen Euro in die aufstrebende Firma, die im Markt der regenerativen Energiequellen großes Potenzial sah – und auch weiterhin sieht. Diese optimistische Einstellung vermag jedoch kaum, die unzähligen aufgebrachten Gläubiger zu beschwichtigen.

prokon pleiteWirbel um Prokon: News zu internen Betriebsabläufen

Seit sich Prokon im Insolvenzverfahren befindet, sind zahlreiche teils schockierende Informationen über Verwaltungs- und Finanzpolitik des Unternehmens bekannt geworden. Offenbar wurden große Teile des Kapitalstocks veräußert, ohne dass dies durch konkrete Investitionen begründet gewesen wäre. Auch einige Prokon-Mitarbeiter haben in offiziellen Stellungnahmen zugegeben, mit dem Kapital der Anleger sei in einigen Fällen nicht mit dem nötigen Verantwortungsbewusstsein umgegangen worden. Aber die Skandal-News um Prokon erstrecken sich noch weiter: Offenbar muss sich der Gründer und (seit Kurzem Ex-)Geschäftsführer vor Gericht wegen Insolvenzverschleppung und weiteren Delikten verantworten.

Rodbertus bestreitet Schuld an Prokon-Pleite

So ist der bisherige Unternehmenschef Carsten Rodbertus bereits aus seiner Position entlassen worden. Dennoch liefert er sich mit dem Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin im laufenden Verfahren ein kurioses Gefecht. Penzlin war als zuständiger Bearbeiter für die Prokon-Insolvenz bestellt worden – und sieht sich nun diversen Vorwürfen durch Rodbertus ausgesetzt. Der sieht die Schuld für die Prokon-Pleite nicht bei sich, sondern in einer Hetzkampagne, angeregt durch die Großindustrie, und wirft dem Insolvenzverwalter unter anderem vor, Prokon zerschlagen zu wollen.

Penzlin beteuert allerdings das Gegenteil: Man habe sich mit einer Großzahl an Gläubigern darauf geeinigt, das Unternehmen auf bestmöglichem Wege zu sanieren. Dabei sollen zwei Drittel der jetzigen Arbeitsplätze bei Prokon erhalten bleiben. Freilich dürfte dies kein leichtes Vorhaben sein, denn Penzlin berichtet von horrenden Zuständen, was die Organisationsstruktur des Windkraft-Betriebes betrifft. Er kritisiert unter anderem die seiner Ansicht nach scheinheiligen Versprechen von großen Renditen, die Carsten Rodbertus seinen Anlegern in der Vergangenheit gemacht hatte – diese seien, wenn man die Unternehmensrealität betrachte, unmöglich umsetzbar.

Zukunftsprognosen tendenziell positiv

Gleichzeitig sehen Experten eine durchaus positive Prognose für Prokon, sollte die Sanierung erfolgreich verlaufen. So könnten Gläubiger damit rechnen, in einigen Jahren möglicherweise doch noch einen Gewinn aus ihrer Geldanlage zu erzielen. Ob diese News zur Prokon-Situation den momentanen Frust vieler Anteilseigner mindern können, ist jedoch fraglich. Zuletzt verloren etwa 15.000 Gläubiger ihr Stimmrecht im Insolvenzverfahren: Der mit ihrer Vertretung beauftragte Alfons Sattler wurde vom Gericht abgelehnt, weil er offenbar ein persönlicher Vertrauter von Rodbertus war. Da seine Position als Gläubigervertreter einen Interessenskonflikt ausgelöst hätte, wies die zuständige Richterin ihn ab. Nun bleibt zu hoffen, dass die künftigen Maßnahmen im Rahmen der Prokon-Pleite auch im Sinne der stimmlosen Gläubiger erfolgen.

Bildquellen: flickr.com – © by cbmd

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