Sell-in-May – überkommene Investmentregel oder guter Tipp?

sell in mayJeder, der mit Aktien handelt, hat das altbewährte Sell-in-May wohl schon zu hören bekommen. Bekanntlich ist der Mai für die Börse nämlich nicht gerade der Wonnemonat, da der DAX in der Regel vor dem Sommer eher verliert. Dies bestätigt zumindest eine Betrachtung der durchschnittlichen Monatsentwicklung der Aktienkurse seit dem Jahr 1965. Deshalb hat diese Weisheit augenscheinlich durchaus ihre Berechtigung.

Sell-in-May … and go away

Die Kursentwicklung mancher Aktien ist unabhängig von der Jahreszeit zum Davonlaufen. Darum sollte man sich als Anleger grundsätzlich immer überlegen, wann es Sinn macht, einen Verkauf anzustreben, um finanzielle Verluste zu vermeiden. Auffällig ist aber doch, dass vor allem der Mai, der August und der September gefährlich für die Anleger sind. Die regelmäßig auftretende Flaute im Sommer ist der eigentliche Grund für das weitverbreitete Motto Sell-in May. Denn Vorsicht ist bekanntermaßen die Mutter der Porzellankiste. So verwundert es nicht, dass viele, die sommerliche Gewinneinbrüche befürchten, im Mai Aktien verkaufen, um kein Risiko einzugehen – Sell-in-May also gewissermaßen als Vorsichtsmaßnahme für sicherheitsbedachte Aktieninhaber.

Dass das Sell-in-May aber nicht immer die beste Strategie ist, hat beispielsweise das Jahr 2013 gezeigt, als die deutschen Standardtitel im Wonnemonat um satte 5,5 Prozent zulegten. Wer damals der alten Regel Sell-in-May gefolgt ist, dürfte sich hinterher ziemlich geärgert haben. Allerdings bestätigt auch ein Blick auf den letzten September, dass das vergangene Börsenjahr eher eine Ausnahme darstellt. So lag der Indexgewinn in diesem Monat bei überdurchschnittlichen sechs Prozent, wodurch Anlegern, die sich gegen das viel zitierte Sell-in-May entschieden hatten, gute Zugewinne beschieden waren.

Sell-in-May oder Buy and Hold?

Das ist die große Frage, mit der sich Aktienbesitzer jährlich aufs Neue konfrontiert sehen. Im Allgemeinen lässt sich aus einem Vergleich der Jahresbilanzen ablesen, dass ein Börsentief in den Sommermonaten immer dann zu befürchten ist, wenn der DAX vorher ordentlich gestiegen ist. Es gilt also, die Kurse schon im Vorfeld im Blick zu haben, und nicht aus purem Aktionismus und völlig überstürzt das Sell-in-May-Prinzip in die Tat umzusetzen. Es kann nämlich – wie bereits angedeutet – durchaus sinnvoller sein, Aktien zu behalten und mit diesen von späteren Kursanstiegen zu profitieren.

Wer sich an der Börse ein wenig auskennt, weiß, dass das Bonmot „Sell-in-May and go away“ noch eine Fortsetzung hat: „… but remember to come back in September“. Wenn die Kurse im Spätsommer niedrig sind, kann ein Investment nämlich äußerst lohnenswert sein – man muss ja nicht direkt ein Risikogeschäft tätigen. Ob das Sell-in-May für das Jahr 2014 ein guter Ratschlag war, bleibt vorerst abzuwarten.

Bildquelle: pixabay.com – © by Nemo

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