Steuerhinterziehung – Hobbysport der Superreichen?

10. März 2013 – das Wetter ist schön, der Himmel blau. Nach einem viel zu milden Winter hält der Frühling SteuerhinterziehungEinzug ins Land. Drinnen beschäftigen sich deutsche Gerichte derweil mit Steuerhinterziehung, mal wieder. Verantworten muss sich vor dem Münchener Oberlandesgericht  diesmal Uli Hoeneß. Einmal im Visier der Steuerfahndungsbehörden bewahrte ihn auch die Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung nicht vor dem aktuell anhängigen Steuerprozess, der landesweit für Aufsehen sorgt.

Erst recht, seit Hoeneß´ spektakulärer Enthüllung. Im Prozessverlauf gab der Präsident des FC Bayern München zu nicht 3,5 Millionen Euro am Fiskus vorbei geschleust zu haben, wie zunächst von der Staatsanwaltschaft angenommen, sondern sage und schreibe 18,5 Millionen. Steuerhinterziehung muss sich schließlich lohnen…

Das sehen offenbar viele Prominente ähnlich. Während der normale Angestellte Monat für Monat brav seinen Beitrag zur Solidargemeinschaft leistet, fließen Milliarden in Steueroasen wie die Schweiz oder Liechtenstein. Rette so viel er kann, scheint die Devise zu lauten, und dann hoffen – auf Verjährung der Steuerhinterziehung. Droht man schon früher aufzufliegen, greift man – wie kürzlich Hoeneß – zum Mittel der Selbstanzeige. Steuerhinterziehung  ja, Gefängnisstrafe nein. Das dachten sich auch diese Promis,  mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Diese deutschen Promis haben Erfahrung mit Steuerhinterziehung

  • ALICE SCHWARZER: Die Frauenrechtlerin hatte die Zinsen ihres Schweizer Kontos über 30 Jahre lang erfolgreich am Fiskus vorbeigemogelt, bis sie sich 2013 mit einer Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung selbst denunzierte. Strafe: Nachzahlung der hinterzogenen 200.000 Euro plus Säumniszinsen für die letzten 10 Jahre.
  • ANDREAS SCHMID: Der Gründer des VIP Medienfonds  betrog den Fiskus gemeinsam mit Ex-Geschäftsführer Andreas Grosch mit Falschangaben in der Steuererklärung um 203 Millionen Euro, indem er zu Unrecht „gewinnmindernde Aufwendungen“ beim Finanzamt geltend machte. 2007 wurde er im bis dahin größten Steuerprozess Deutschlands zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der Haftbefehl wurde gegen eine Reihe von Auflagen jedoch außer Vollzug gesetzt. Kompagnon Gosch erhielt zwei Jahre auf Bewährung sowie die Auflage einer Geldbuße von 30.000 Euro. Dass von der Steuerhinterziehung vor allem die rund 11.000 Fondsanleger profitierten, wirkte sich im Prozess mildernd aus.
  • BORIS BECKER: Die ehemalige Tennislegende verlegte seinen Wohnsitz Anfang der 1990er Jahre offiziell von München nach Monaco, lebte aber tatsächlich weiter in der Bayerischen Landeshauptstadt. Auf diesem Weg hinterzog Becker Steuern in Höhe von 1,7 Millionen Euro, wofür er 2002 zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und 500.000 Euro Geldstrafe verurteilt wurde. Mildernd wirkten sich sein Geständnis sowie die Tatsache aus, dass er vor Prozessbeginn bereits rund 3,1 Millionen nachgezahlt hatte.
  • KLAUS ZUMWINKEL: Knapp entkam einer Haftstrafe auch der langjährige Vorstandschef der Deutschen Post. Klaus Zumwinkel hatte über die LGT Bank 970.000 Euro in eine Stiftung nach liechtensteinischem Recht geschleust und den deutschen Fiskus so um fast eine Million betrogen. 2008 trat Zumwinkel von allen Posten zurück und wurde 2009 zu zwei Jahren Haft auf Bewährung sowie der Zahlung von einer Millionen Euro verurteilt. Nach seiner Entlarvung durch eine Liechtensteiner Steuer-CD hatte sich der Topmanager kooperativ gezeigt und rund 3,9 Millionen Euro an Steuern, Zinsen und Gebühren zurückgezahlt, bei der auch eine frühere, strafrechtliche Verjährung von Steuerhinterziehung  berücksichtigt wurde.
  • LUDWIG_HOLGER PFAHLS: Der einstige Verfassungsschutzchef und Verteidigungsstaatssekretär wurde 2005 wegen Vorteilsannahme und Steuerhinterziehung zu zwei Jahren und drei Monaten verurteilt, kam aber bereits nach 13 Monaten wieder frei. Der Mann, der eine Schlüsselrolle in der CDU-Spendenaffäre spielte, hatte von Geschäftsmann Karlheinz Schreiber 3,8 Millionen Mark erhalten, dIE in die Schweiz flossEN –  angeblich aber „nur“ 873.000 Mark ausbezahlt bekommen. Differenz: 1,96 Millionen Mark.
  • PATRICK LINDNER: Auch Schlagerstar Patrick Lindner wurde 2005 wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Er hatte in den 1990er Jahren Verluste aus der Vermietung seiner Villa beim Finanzamt angegeben, obwohl er selbst darin wohnte. Zudem verschwieg er Einnahmen in Höhe von 100.000 Euro. Schließlich musste er 150.000 Euro Steuern nachzahlen.
  • PETER GRAF: Der Vater von Tennis-Star Steffi Graf wurde 1997 wegen der Hinterziehung von  6,3 Millionen Euro Steuern auf Siegprämien seiner Tochter) zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt, nach der Hälfte der Zeit allerdings auf Bewährung entlassen.
  • THEO SOMMER: Der Herausgeber von „Die Zeit“, wurde 2014 wegen Steuerbetrug in Höhe von 649.000 Euro zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten sowie einer Geldbuße von 20.000 Euro verurteilt

Und das sind nur einige Beispiele.

Unzufriedenheit mit Steuersystem leistet Steuerhinterziehung Vorschub

Selbstanzeige SteuerhinterziehungDie Liste der Steuersünder belegt die These des Soziologen Wolfgang Franzen. Der behauptet: „Der typische Steuerhinterzieher ist männlich und wohlhabend. Selbstständige und Personen, die von Kapitalerträgen leben, sind wesentlich gefährdeter den Fiskus zu betrügen als Angestellte oder Beamte.“ Dies liege vor allem am hohen Spitzensteuersatz von 45 %, so Franzen weiter. Die Schmerzgrenze dessen, was die Deutschen bereit wären, freiwillig zu zahlen, liege zwischen 20 und 25 %. Zudem begünstige auch das intransparente, komplexe Steuersystem Steuerhinterziehung.

Mit bis zu 50 Milliarden Euro, die dem Staat jährlich durch Steuerhinterziehung verloren gehen, liegt Deutschland dennoch im europäischen Mittelfeld. Die ehrlichsten Steuerzahler kommen aus Skandinavien und der Schweiz, was vor allem an der dortigen Transparenz liege. So können Schweden in offenen Listen Vermögen und Steuerlast ihrer Landsleute einsehen, während die Schweizer über Volksentscheide über Einnahmen und Ausgaben mitbestimmen dürfen.

Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung wendet Gefängnis nicht in jedem Fall ab

Ein neuer Trend bei uns scheint die Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung zu sein. Die steuern hinterziehen selbstanzeigeSelbstanzeigen erreichten in den vergangen vier Jahren mit 60.000 Stück ein neues Rekordhoch. Das mag auch daran liegen, dass es seit 2012 ab einer Million keine Milde mehr gibt. Dann droht Gefängnis und zwar ohne Bewährung.

Eine Rolle spielt sicher auch das Grundsatzurteil vom Mai 2010 zur strafbefreienden Selbstanzeige. Die Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung war bis dahin ein probates Mittel, den Kopf in letzter Sekunde aus der Schlinge zu ziehen, Salamitaktik hin oder her. Heute hingegen gilt es, alle versteckten Konten zu offenbaren, sonst ist es dahin mit der Straffreiheit. Außerdem muss die Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung rechtzeitig erfolgen. Wenn die Steuerermittlern bereits alle Unterlagen vorliegen haben, hilft also auch kein Geständnis mehr. Der Fall ist schließlich klar.

Bildquellen: pixabay.com – © by falco, geralt & bykst

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