Und plötzlich Leitwährung – Chinas ehrgeizige Pläne mit dem Renminbi

Die Staatsverschuldung der USA beträgt rund 15 Billionen Dollar. Das sind 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Um die Gläubiger auszubezahlen und die Staatsschulden zu tilgen, müsste die gesamte Volkswirtschaft ein Jahr lang arbeiten. Nicht eingerechnet die Zinsen, die während dieser Zeit weitere anfielen. Die Euro-Zone erwirtschaftet jährlich rund 12,2 Billionen Dollar und erreicht bei der Staatsverschuldung ebenfalls einen hohen Wert von schätzungsweise 88 Prozent. Die Staatsverschuldung Chinas bewegt sich konstant und liegt im Durchschnitt bei 22 Prozent des BIP – seit fünf Jahren.

Aber: Das Gros der internationalen Währungsreserven wird mit 61,4 Prozent in Dollar gehalten. Darauf folgt der Euro mit einem Anteil von 27 Prozent.

China ist neben Deutschland Exportweltmeister, konnte in den letzen Jahren einen Leistungsbilanzüberschuss und ein geringes Haushaltsdefizit vorweisen und hat eine vergleichsweise niedrige Schuldenquote. Mit 3,2 Billionen Dollar verfügte das Reich der Mitte Ende 2011 über eine der größten weltweiten Devisenreserven. Dollar, wohlgemerkt, denn der Dollar ist Leitwährung. Das heißt, je größer die Devisenreserven Chinas, desto höher seine Abhängigkeit. Doch damit soll nun Schluss sein. Die Regierung in Peking hat sich vorgenommen, die Landeswährung Renminbi (Yuán) als Alternative zum US-Dollar zu etablieren. Sollte es in den USA zu einer Inflation oder, infolgedessen, zu einem Währungscrash kommen, wie Ökonomen befürchten, wäre man weniger stark betroffen.

Die Positionierung als Anlagewährung ist dem Renminbi bereits gelungen. Nun sollen aufstrebende Schwellenländer wie Brasilien, Indien, Russland und Südafrika (BICS) künftig auch Kredite in Renminbi bekommen und gleichzeitig ihre eigenen Währungen zugänglicher machen. Mit Japan wurde bereits ein gemeinsames Abkommen unterzeichnet, das Geschäftsabschlüsse in Renminbi gestattet. Laut der Brasilianischen Entwicklungsbank BNDES sollen damit die „wirtschaftlichen und finanziellen Transaktionen zwischen den am Abkommen beteiligten Ländern maximiert werden“.

Bereits vor einem Jahr hatte der chinesische Präsident Hu Jintao das Dollar-dominierte Währungssystem als „Produkt der Vergangenheit“ tituliert. Möglich. Immerhin stellt China mittlerweile nicht nur rund 20 Prozent der Weltbevölkerung, sondern gewinnt auch zunehmend an Kaufkraft. 2010 erwirtschaftete das Land knapp 14 Prozent der globalen, kaufkraftadjustierten Wertschöpfung. Bis 2015, so schätzt man, wird Chinas Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt weiter auf rund 17 Prozent wachsen. Bewahrheiten sich die Prognosen, wird das Reich der Mitte die USA und Europa voraussichtlich 2050 überholt haben.

Politisch wird jedenfalls viel dafür getan. Anstatt den Renminbi weiterhin künstlich niedrig zu halten, kommt es langsam zu einer Flexibilisierung und damit zu einer Aufwertung. Weiteres Ziel: die Ankurbelung der Binnenkaufkraft – für die Exportnation China ein weiterer Schritt zu mehr wirtschaftlicher Unabhängigkeit.

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