Verkehrte Welt: Investoren reißen sich um Spaniens Schulden

Einem Finanzmarkt-Laien mutet dieser Sachverhalt geradezu grotesk an: Banken und andere Investoren sind verrückt nach den Anleihen Spaniens. Sie reißen sich förmlich darum, die Iberer durch verzinste Darlehen aus der Schuldenkrise zu „leihen“. Während man bereits in Kindheitstagen davor gewarnt wird, Geld an Personen in finanzieller Schieflage zu verleihen, tun Anleger auf dem Finanzmarkt jetzt genau das.

Während man bereits in Kindheitstagen davor gewarnt wird, Geld an Personen in finanzieller Schieflage zu verleihen, tun Anleger auf dem Finanzmarkt jetzt genau das. In der vergangenen Woche haben die Spanier ihre erste Staatsanleihe mit sogenannten Umschuldungsklauseln in Höhe von insgesamt 5,8 Milliarden Euro aufgenommen. Dabei liegt der Betrag rund 800 Millionen höher, als Experten angenommen hatten.

Für Otto Normal werden sich die Zusammenhänge der Finanzmarktpolitik wohl nie zur Gänze erschließen. Einen der undurchsichtigsten Sachverhalte stellt dabei der Ankauf von Staatsanleihen dar, denn hier kaufen Staaten und Investoren die Schulden anderer Staaten. Auf diese Weise garantieren sie die Liquidität der maroden Nation und bewahren sie letztlich vor dem Staatsbankrott. Natürlich handelt keiner dieser Anleger aus reiner Nächstenliebe – in jedem Falle folgt diese Mildtätigkeit einem äußerst profanen Zweck: dem eigenen Vorteil.

Unglückselige Konstellation für Verfechter der Europäischen Währungsunion

Im Falle der Spanier – und auch der Italiener – sind die scheinbar hehren Absichten der „Retter“ von zwei unterschiedlichen Absichten motiviert. Die einen möchten die Europäische Währungsunion um jeden Preis erhalten, die anderen verlassen sich auf verzinste Rückzahlungen nach der vereinbarten Frist zur Steigerung des eigenen Profits. Und eben diese Konstellation entbehrt nicht einer gewissen Tragik. Denn: Sind die verschuldeten Länder nicht in der Lage, ihre Verbindlichkeiten auszugleichen, müssen die anderen Staaten zur Gesunderhaltung der Eurozone erneut finanziell in die Bresche springen. Nur so können sie den allseits gefürchteten Dominoeffekt aufhalten, der letztlich zum Scheitern des Euros führen würde. Außerdem wäre der Kollaps lediglich künstlich verschleppt worden – mit einem erheblichen monetären Aufwand. Und dieses neuerliche CARE-Paket geldlicher Natur würde direkt auf die Konten derer wandern, die ohnehin ausschließlich am Gewinn durch den Schuldenkauf interessiert gewesen sind. Überspitzt ausgedrückt: Hier bereichern sich Anleger an zwei Ertrinkenden, die sich aneinanderklammern, und am Ende doch untergehen.

 

Bildquelle:Petra Bork  / pixelio.de

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