Was würde ein Öl-Embargo der EU bewirken?

Öl-Embargo gegen Iran – Eigentor für die EU

Mit dem Angriff auf die britische Botschaft in Teheran erreicht der Atomkonflikt mit Iran einen neuen Höhepunkt. Kernpunkt des Streits sind Irans Bestrebungen, an Atomwaffen zu gelangen. Dieser Intention versucht die internationale Staatengemeinschaft seit der Wiederaufnahme des Programms 2006 Einhalt zu gebieten. Bisher ohne Erfolg.

Der jüngste Bericht der internationalen Atomenergieagentur (IAEA) kommt zu dem alarmierenden Ergebnis, Iran habe zumindest bis 2010 an der Entwicklung von Atomwaffen gearbeitet. Durch Bekanntmachungen wie „das Land verfüge über Uran mit 20-prozentiger Anreicherung“ oder „habe neue Zentrifugen installiert“, schürte Präsident Mahmud Ahmadinedschad immer wieder die Ängste des Westens, der eine „Bedrohung“ und die „Gefahr eines Bruchs des Friedens“ befürchtet. Neben der Verletzung des Atomwaffensperrvertrags wird dem Golfstaat die Missachtung des Völkerrechts im Zuge der Botschaftserstürmung vorgeworfen. Zudem unterstellt man dem iranischen Bankwesen Geldwäsche.

Für den Bau von Atomwaffen bedarf es jedoch mindestens einer 80-prozentigen Uran-Anreicherung sowie eines komplizierten Zündmechanismus. Bis März 2012 hat Iran nun Zeit, sich zu erklären. Dann könnte die Angelegenheit vor dem Sicherheitsrat landen. Zunächst versucht man es allerdings weiter mit Sanktionen. Dem Mittel, gegen das sich die „Botschaftsproteste“ hauptsächlich richteten. Momentan scheint es nicht, als könnten dadurch Probleme gelöst werden. Im Gegenteil, der Konflikt als auch die bilateralen Beziehungen verschärfen sich zusehends.

Dass ein Import-Verbot für iranisches Öl allein nicht viel ausrichtet, scheint inzwischen bei den Verantwortlichen angekommen zu sein. Die neuesten Sanktionen betreffen daher neben dem Energie- auch den Bankensektor. Ziel ist es nach wie vor, dem Golfstaat die Devisen abzugraben. Denn ohne Petrodollars – das heißt rund 80 Prozent der iranischen Exporterlöse – keine Investitionen ins staatliche Atomprogramm, so die Überlegung. Allerdings: Laut Schätzung des US-Energieministeriums bestreitet Iran durch die Ölexporte auch etwa die Hälfte seines Staatshaushalts. Wer garantiert also dafür, dass an den „richtigen“ Stellen gespart wird? Ein weiteres Problem: Nur knapp 18 Prozent der iranischen Ölexporte gehen in die EU. Diese deckt damit circa fünf Prozent ihres Bedarfs. Die wichtigsten Abnehmer sind mit Ausnahme von Belgien die ohnehin Eurokrisen-gebeutelten Staaten Italien, Spanien und Griechenland. Daraus ergibt sich zweierlei. Zum einen ist der Iran vielleicht weniger abhängig vom Geld der EU als die EU vom Öl der Iraner. Längst unterhält der Golfstaat lukrative Handelsbeziehungen zu Asien, Afrika und Lateinamerika. Auch die UN-Vetomächte China und Russland sind auf wirtschaftlicher und strategischer Ebene eng mit Iran verflochten. China als Ölförderer und Großabnehmer, Russland als Lieferant für Waffen und Technik – angeblich auch für das iranische Atomprogramm.

Abnehmer fände das iranische Öl also trotz EU-Embargo. Innerhalb der EU würde der Ölpreis durch die Drosselung der Einfuhrmenge allerdings erheblich teurer. So wie 2006, als das Atomprogramm wieder aufgenommen wurde und der Ölpreis fast augenblicklich auf knapp 70 Dollar je Barrel stieg. Diese Entwicklung träfe wohl am empfindlichsten die Bevölkerung – vermutlich auf beiden Seiten.

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1 Kommentare.

  1. I have been so biewldered in the past but now it all makes sense!

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