WeChat: der neue Messenger-APPostel?

Mehr als eine halbe Milliarde Menschen nutzen den Messenger-Dienst WhatsApp, um rasch und unkompliziert Nachrichten auszutauschen. Jetzt schickt sich ein neuer Kontrahent an, ihm auch im Westen den Platz als beliebtester Messenger-Dienst streitig zu machen: WeChat, eine App aus China.

Der Aufstieg von WeChat

wechatHerausgegeben wird WeChat von dem chinesischen Unternehmen Tencent Holdings Limited mit Sitz in Shenzhen. Seit ihrer Veröffentlichung im Jahr 2011 hat die neue Messenger-App rapide Benutzer hinzugewonnen: Im letzten Quartal des Jahres betrug die Zahl 50 Millionen. Sie wuchs bis Ende 2012 auf 200 Millionen und erreicht in diesem Monat ihren bisherigen Höchststand von 438 Millionen. Sie kratzt damit also ganz erheblich an den 500 Millionen, mit denen sich der WhatsApp-Messenger schmücken darf. Tencent gibt an, dass 30 Prozent seiner Nutzer im chinesischen Ausland leben.

Muss WhatsApp um seine Position fürchten?

Wie groß ist die Chance, dass der chinesische Dienst dem bisherigen Marktführer den Rang abläuft? Der zu Beginn des Jahres von Facebook aufgekaufte WhatsApp-Messenger muss abonniert werden, ist also nicht vollkommen gratis – das Versenden von Nachrichten kostet allerdings kein Geld. Die Benutzer können einander nicht nur Texte, sondern auch Bilder und Videos zusenden oder ihren derzeitigen Standort veröffentlichen.

Kostenfrei texten

Diese Optionen bietet auch WeChat seinen Benutzern an. Die chinesische Messenger-App hat ihrem westlichen Äquivalent jedoch einen unbestreitbaren Vorteil voraus: Sowohl der Download als auch die Verwendung sind kostenfrei. Darüber hinaus gibt Tencent an, sein Messenger sei sicherer als WhatsApp – ein Statement, das mit Vorsicht genossen sein will.

Welche Zensuren bringt WeChat nach Hause?

Ebenso wie vergleichbare chinesische Internetprojekte – beispielsweise der Suchdienst Baidu – unterliegt auch WeChat erheblichen Restriktionen durch staatliche Zensurvorgaben. Da sich alle Server des Unternehmens derzeit in China befinden, stellen auch Nutzer außerhalb des Landes bisweilen fest, dass eine Nachricht mit einem verbotenen Begriff nicht gesendet werden kann. Tencent arbeitet bereits an einer Lösung für dieses Problem und plant, zwei getrennte WeChat-Plattformen einzurichten: eine für den chinesischen Markt und eine für den Rest der Welt.

Keine Messenger-App ist sicher

Als der chinesische Messenger-Dienst in den Vereinigten Staaten veröffentlicht wurde, wurden Stimmen gegen die Nutzung laut – vielen missfiel die Vorstellung, dass die Regierung der Volksrepublik China Zugriff auf eine große Menge privater Nachrichten erhalten würde. Darüber hinaus wurde angemerkt, dass das zur Verarbeitung des Nachrichtenverkehrs eingesetzte Telekommunikationsequipment keine vollständige Sicherheit Angriffen von außen gegenüber gewähre. Allerdings muss man der Fairness halber feststellen, dass dieser Tage keine Messenger-App vor Abhörattacken sicher zu sein scheint.

WeChat und WhatsApp: Messenger kämpfen um Dominanz

Kommen wir zur Eingangsfrage zurück: Hat WeChat das Potenzial, den WhatsApp-Messenger als weltweit meistgenutzte Kurznachrichten-App zu überholen? Behält der chinesische Dienst das Tempo bei, mit dem er neue Benutzer dazugewinnt, dann ist das sicherlich der Fall. Die Frage ist, ob Anwender außerhalb des asiatischen Raums bereit sind, ihr Vertrauen einer Messenger-App zu schenken, deren Informationspolitik derart stark von Zensur geprägt ist wie WeChat.

Bildquelle: flickr.com – © by Álvaro Ibánez

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