Wem steht Ehegattenunterhalt zu?

Bis dass der Tod uns scheidet – oder der Standesbeamte. In diesem Fall ist es an der Zeit, den Ehegattenunterhalt zu berechnen, den die beiden jüngst Verheirateten gegenseitig beanspruchen können. Wie das zustande kommt? Ganz einfach: Streng rechtlich betrachtet schulden sich zwei Ehepartner bereits während der intakten Lebensabschnittspartnerschaft Ehegattenunterhalt, nur dass dieser in den seltensten Fällen gerichtlich gefordert wird. Zwei verheiratete Menschen erbringen das, was man gemäß Paragraf 1360 des BGB Familienunterhalt nennt. Die Hälfte dieser Summe ist das, was dem einzelnen Partner in puncto Ehegattenunterhalt zusteht.

Aus zwei mach eins per Unterhaltsberechnung

EhegattenunterhaltEine Einklagung dieses Bedarfs an Ehegattenunterhalt ist erst möglich, wenn die Ehe bröckelt oder komplett zerrüttet ist. In diesem Fall kommen die Regelungen zum Ehegattenunterhalt zum Tragen, und zwar zuerst in der Form von Trennungsunterhalt: Dieser dient dazu, die Zeit zwischen der Äußerung der Trennungsabsicht und der eigentlichen Scheidung zu überbrücken. Da der Gesetzgeber der Meinung ist, dass in dieser Periode beide Ehegatten über das gleiche Einkommen verfügen sollten, wird nach der oben erläuterten Unterhaltsberechnung festgelegt, wie viel Ehegattenunterhalt jedem Noch-Ehepartner zusteht. Das jeweilige Einkommen wird entsprechend angeglichen.

Ehegattenunterhalt vor der Scheidung …

Die Trennung muss nicht zwingend in einer Scheidung enden. Es ist unwahrscheinlich, aber vorstellbar, dass zwei Ehepartner getrennt voneinander leben und sich an ein Gericht wenden, um den Bedarf an Ehegattenunterhalt offiziell zu machen. Da eine der Grundvoraussetzungen für den Empfang von Trennungsunterhalt die tatsächliche räumliche Trennung beider Ehepartner ist, kann in einem solchen Fall davon ausgegangen werden, dass sich jeder einzeln mit Wohnraum, Kleidung, Essen und anderen Notwendigkeiten versorgen muss. Möglicherweise dient der Ehegattenunterhalt nur zur Überbrückung einer Periode, während der beide Partner herauszufinden versuchen, ob sie einander nicht vielleicht doch brauchen. Regelungen wie die zum Ehegattenunterhalt ermöglichen Experimente dieser Art auch dann, wenn einer der Ehepartner auf stur schaltet und keinen Zahlungsanspruch anerkennt.

… und nach der Scheidung

Nach dem offiziellen Ende der Ehe wandelt sich der Ehegattenunterhalt vom Trennungsunterhalt zum sogenannten nachehelichen Unterhalt. Im Gegensatz zum Trennungsunterhalt sind diese Zahlungen zeitlich begrenzt, und es muss von Fall zu Fall entschieden werden, wie lange sie geschuldet sind. Nach Ablauf dieser Frist setzt die Eigenverantwortung beider Ehepartner ein, und sie gehen nun auch in finanzieller Hinsicht getrennte Wege.

Ausgleich durch Ehegattenunterhalt

Der nacheheliche Unterhalt soll nach Möglichkeit so schnell wie möglich eingestellt werden, da der Gesetzgeber darauf hofft, dass beide Parteien erwachsene Menschen sind und für sich selbst sorgen können. Ist einer der Ehegatten jedoch nicht in der Lage, seinen finanziellen Verpflichtungen aus eigener Kraft nachzukommen, hat er Anspruch auf nachehelichen Ehegattenunterhalt. Dies könnte der Fall sein, wenn es Kinder zu versorgen gibt oder einer der Ehegatten durch Krankheit oder Alter nicht in der Lage ist, einer geregelten Beschäftigung nachzugehen. Entsteht diese Bedürftigkeit erst nach der Scheidung, besteht jedoch kein Anspruch auf Ehegattenunterhalt.

Justitia bleibt mal wieder vage

Ist der finanziell benachteiligte Ex-Partner nicht in der Lage, den von der Ehe her gewohnten Lebensstandard aufrecht zu erhalten, darf er grundsätzlich Ehegattenunterhalt zur Aufstockung seines eigenen Einkommens verlangen. Außerdem kann er Ehegattenunterhalt fordern, um die Zeit zu überbrücken, bis er einen Job gefunden hat. Ob ihm dieser jedoch gewährt wird, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Die Gesetze zum Ehegattenunterhalt drücken sich an dieser Stelle bewusst schwammig aus und lassen viel Spielraum zur individuellen Auslegung.

Bildquelle: pixabay.com – © by martaposemuckel

Kommentar schreiben

0 Kommentare.

Kommentar schreiben


Hinweis - Du kannst dies benutzenHTML tags and attributes:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>