Wulff die Opferfigur

In aller Munde ist die Affäre unseres nunmehr allseits unbeliebten Präsidenten Wulff. Ehrlich gesagt interessiert es mich normalerweise nicht, wenn sich die Regierenden und die Opposition untereinander mit Dreck bewerfen, Dreck bleibt Dreck. Jeder könnte mal 1-130x112 in Wulff die Opferfigurvor seiner Tür kehren und wir würden in einem sauberen Utopia leben, aber das tut keiner!

Auch die reißerischen Titel der Bild, die doch nur den armen Normalbürger vor der Ungerechtigkeit der Welt beschützen möchte, lösen bei mir normalerweise nur ein Schmunzeln und angestrengte Recherchen nach der Wahrheit aus. Zumal die Bild und Wulff sich doch scheinbar vorher noch so gut verstanden haben.

Nein was mich wirklich zu diesem Beitrag bewogen hat, ist der empörte Aufschrei, der durch alle Medien geht, der gleichermaßen von den Journalisten wie auch dem Volke ausgeht und den Rücktritt fordert. Mittlerweile wird dem armen Mann wohl nichts mehr übrig bleiben, auch wenn er versucht krampfhaft an seinem Amt festzuhalten.

Der Bundespräsident soll das Volk repräsentieren und das ganze am besten ohne eine Kreditaffäre. Eigentlich repräsentiert er das Volk doch sehr gut, den wer aus dem Volke würde nicht einen günstigeren Kredit unter Freunden annehmen, wer würde nicht sich gerne die Reise bezahlen lassen? Seine wir mal ehrlich jeder von uns würde vergünstigte Konditionen annehmen, wenn wir sie den angeboten bekommen würden. Spielt bei den ganzen Vorwürfen nicht auch ein bisschen Neid eine Rolle? Trotzdem ist es falsch. Sich mit lapidaren Ausflüchten aus der Geschichte rauszuwinden, nachdem er lange genug geschwiegen hatte, hat die Sache doch nur verschlimmert. Wer möchte auch schon einen Präsidenten, der nicht seinen Mann steht.

 

Eine Frage die bleibt ist, warum Journalisten , die uns eigentlich objektiv informieren und nicht wichtige Themen verschweigen und vom Thema durch eine lächerliche Kreditaffäre ablenken sollten, sich ausgerechnet auf den armen Bundespräsidenten eingeschossen haben. Ganz klar weil alle darauf regieren, in Twitter, Facebook und Co. wird das Thema von jedem aufgegriffen. Wobei ich bei den meisten nicht das Gefühl habe, dass sie wirklich wissen worum es geht. Hauptsache man schwimmt auf der Welle mit. Besonders gefallen tun mir die „Wulff next Guttenberg“ Rufe. Also können wir Ende 2012 schon mal mit dem Buch „Vorerst Kredite“ von Wulff rechnen.

Warum werden nicht all die anderen Missstände angekreidet, die es in Deutschland gibt? Nehmen wir mal den ehemaligen Hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, der 1999 bis 2010 im Amt war. Von 1999 bis 2003 war dieser im Aufsichtsrat der Fraport AG (die Zahlen stimmen wirklich). Da Hessen mit 45% bei der Fraport AG beteiligt war, war es auch möglich, dass für die kürzlich fertig gestellte Landebahn ein Naturschutzgebiet weichen musste. Heute sitzt er im Aufsichtsrat des Baukonzerns Bilfinger Berge, die (was für ein Zufall) die Landebahn Nordwest gebaut haben. Aber das ganze ist bekannt, es wird nur nicht durch die Medien gehypt. Außerdem hat Koch keinen Streit mit der Bildredaktion und er es gibt keine Nachweise davon, dass er versucht hat den Artikel zu verhindern. Wer weis vielleicht war er erfolgreicher als Wulff und nicht so dumm auf einen Anrufbeantworter seinen Frust los zu lassen. Aber das war doch mal ein nettes Weihnachtsgeschenk für die Journalisten.

 

In einer Woche wird er freiwillig zurückgetreten sein, die Wahlen werden kommen und die lieben Politiker werden sich wieder mit Dreck bewerfen. Dreck bleibt Dreck.

 

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5 Kommentare.

  1. Wir haben wichtigere Probleme.
    Klar, haben wir die, aber wofür ist das ein Argument. Wenn jemand für sein Amt nicht geeignet ist, dann sollte er es nicht ausüben. Und dass CW als BP nicht geeignet ist, beweist er in einer Tour selbst und nicht die bösen Medien die den armen Mann so hetzen. Wie arm ist das denn, sich hinter seiner Familie und dem Stress der Auslandsreisen zu verstecken. Die gehören nun mal zu seiner Jobbeschreibung. Wenn man dem nicht gewachsen ist, sollte man es halt lassen.

    Wenn jemand, der in seinem Amtseid schwört, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes zu wahren und zu verteidigen, es mit der Pressefreiheit nicht so eng sieht, obwohl er sie am Tag zuvor im Ausland eingefordert hat, dann ist er nicht der richtige Mann im Amt.

    Dass allerschlimmste ist aber für mich, wie unendlich amateurhaft jemand, der das Spiel seit 30 Jahren mitspielt und, zumindest protokollarisch, ganz oben angekommen ist, mit Medien und Öffentlichkeit umgeht. Was soll man den jemandem zutrauen, der noch nicht mal seinen Dreck am Stecken vernünftig vertuschen kann und nicht in der Lage ist, Druck auf die Presse auszuüben, ohne sich dabei mit runtergelassenen Hosen erwischen zu lassen. Was passiert denn, wenn es mal wirklich eines der ominösen „wichtigeren Probleme“ betrifft? Verliert er dann auch die Nerven?

    Wie soll er denn ein einigermaßen glaubwürdiges Gegengewicht zur Kanzlerin und der Regierung sein, wenn auch nur durch Reden oder das Verweigern einer Unterschrift unter zweifelhaften Gesetzen, wenn er vollständig von deren Gnade abhängig ist.

    Wie soll er denn Reden zur Euro- und Bankenkrise halten und die Bevölkerung auf Einschnitte vorbereiten und „Orientierung“ geben, wenn er von zwei Drittel der Adressaten einfach nur ausgelacht wird, weil er eben, trotz mehr als vernünftigem Einkommen, alles eingesackt hat, was nur irgend möglich war und das auch in Zukunft tun will, wie er gestern gesagt hat?

    Wenn ein Politiker die Bildzeitung gegen sich hat, ist das meistens ein bisschen so wie mit den Löwen (Bild) und den Christen im antiken Rom. So lange ich mich erinnern kann, ist es für mich das erste Mal, dass ich in so einem Fall die Löwen anfeuern muss. so weit ist es schon gekommen. :roll:

    Es ist immer der Reflex, den Medien Hetzjagd vorzuwerfen, aber zu einer freien Presse gehören nun mal Recherche, Meinungen, Kommentare, Nachfragen. Wenn sich dann auch noch das Ziel der Berichterstattung mit seinem ganzen Verhalten selbst entlarvt und sich der Presse auf dem Silbertablett serviert, muss man sich nicht wundern, wenn sich wirklich alle auf das Thema stürzen. Zumal es die Leser und Zuschauer ja zu fesseln scheint und jeder eine Meinung dazu hat.

    Dass wir eine freie und manchmal aggressive Presse haben, die auch schon mal den einen oder anderen der Mächtigen aus dem Amt schießt, ist kein Problem sondern ein Segen. Wer anderer Meinung ist, sollte vielleicht mal einen Blick nach Ungarn werfen, wo die Pressefreiheit mal so nebenbei abgeschafft und eine Ein-Parteien-Herrschaft zementiert wird.

  2. Ich hätte da zwei Anmerkungen:

    1. Du schreibst „Seien [sic] wir mal ehrlich jeder von uns würde vergünstigte Konditionen annehmen, wenn wir sie denn [sic] angeboten bekommen würden. Spielt bei den ganzen Vorwürfen nicht auch ein bisschen Neid eine Rolle?“

    Sicher spielt da Neid ein Rolle und sicher, ich würde auch gern einen solchen Kredit und Urlaubsreisen bekommen. Aber darum geht es doch nicht. Der Punkt ist, dass Wulff zu diesem Zeitpunkt Ministerpräsident war ein Entscheidungsträger und dann geht das schlicht und einfach nicht. Mit welcher Spitzfindigkeit sich Wulff in der damaligen Befragung verhielt, zeigt doch, dass es er wusste das die Kreditannahme falsch war.

    2. Es gibt immer Themen, die wichtiger, immer Skandale die größer sind. Das kann aber kein Argument sein, sich um diesen nicht zu kümmern.

    Gruß,
    Dirk

    • Hallo Dir,

      ich gebe Dir recht, dass es wirklich mehr als ernüchternt ist, wenn sich solch ein Entscheidungsträger einen mehr als bewussten fatalen Fehler erlaubt.
      Allerdings findeich es weniger schlimm, dass jemand sich einen Fehler erlaubt, der nicht beispielshaft, aber auch nicht volksschädigend ist, als eine herumeiernde Kanzlerin, die gesetzeslos regiert und alles ins Verderben reißt.

      Viele Grüße

    • Ich glaube das Wulff einen Fehler gemacht hat, da sind wir uns alle einig. Es geht dabei nicht darum ob man sich kümmert oder nicht, sondern darum wie.

      Und ich finde es richtig, dass die Bevölkerung daher seinen Rücktritt einfordert.

  3. Ich finde es ist offensichtlich, dass die Bevölkerung heute die Macht der Medien nutzen kann und auch weiss wie und daher Herr Wulff zurücktreten muss und wird. Er ist der Bundespräsident und daher sehr viel wichtiger als ein Roland Koch es ist.

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